Die Billag steht vor dem Aus

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Schaffhauser N…

Um ihren Job bangen müssen 240 Mitarbeitende – denn die Billag treibt künftig keine Radio- und Fernsehgebühren mehr ein. Sie hat den Auftrag an ein neues Zürcher KMU namens Serafe verloren.

Ende 2018 flattern die letzten Briefe der Billag in die Schweizer Briefkästen. Bild: Key

von Maja Briner

Sie hat Millionen von Briefen verschickt, über die sich niemand freut. Seit zwei Jahrzehnten treibt die Billag für den Bund die Radio- und Fernsehgebühren ein – und ist dabei zum eigentlichen Sinnbild der umstrittenen Gebühren geworden. Doch nun ist Schluss damit: Der Bund hat das Mandat neu an die kleine Zürcher Firma ­Serafe vergeben. In der öffentlichen Ausschreibung hat sie das günstigste Angebot eingereicht und den millionenschweren Auftrag ergattert. Ab 2019 wird damit aus der «Billag-Gebühr» eine «Serafe-Gebühr».

Für die Swisscom-Tochter Billag und ihre Mitarbeitenden ist das ein harter Schlag. «Wir sind enttäuscht und traurig», sagt Sprecher Dominik Müller. Die Billag habe sich im Vorfeld zwar Gedanken darüber gemacht, was geschehe, wenn der Auftrag verloren gehe. «Aber wir haben keinen Plan B, den wir aus der Schublade ziehen», sagt Müller. Auch wenn er es so nicht sagen will: Für die Billag dürfte es das Ende bedeuten. 98 Prozent ihres Umsatzes verdankt die Firma den Radio- und TV-Gebühren. Laut Müller sind vorerst noch keine Entlassungen geplant, da das Mandat erst Ende 2018 ausläuft. Es ­bestehe ein Sozialplan, sagt er. Aktuell hat die Firma 240 Mitarbeitende, der weitaus grösste Teil davon arbeitet in Freiburg.

Auch die Muttergesellschaft Swisscom ist enttäuscht. «Wir bedauern sehr, dass die Billag den Auftrag verloren hat», sagt Sprecher Sepp Huber. Ob die Swisscom allenfalls Mitarbeitende von der Billag übernehmen könnte, ist offen. «Es ist noch zu früh, um zu sagen, was mit den Arbeitsplätzen geschieht», sagt er. Die betroffenen Firmen sind gemäss eigenen Angaben erst gestern über den Entscheid informiert worden.

Lachender Sieger ist die kleine Firma Secon AG mit Sitz im zürcherischen Fehraltorf mit derzeit rund 20 Mitarbeitenden, die unter anderem für Helsana und andere Krankenkassen Rechnungen verschickt. Für die Erhebung der Gebühren hat Secon eigens die Tochterfirma Serafe gegründet; der Name steht für «Schweizerische Erhebungsstelle für die Radio- und Fernsehabgabe». Für das KMU ist es ein Grossauftrag: 123 Millionen Franken erhält Serafe für die gesamte Mandatsdauer bis 2025. Wie viel die Billag geboten hatte, gibt sie nicht bekannt. Bisher kassierte sie 54 Millionen Franken pro Jahr. Allerdings sind die Zahlen nur beschränkt vergleichbar: Ab 2019 müssen alle Haushalte die neue geräteunabhängige Radio- und Fernsehabgabe bezahlen – auch jene, die keinen Fernseher besitzen. Das macht die Administration einfacher. Zudem treibt neu der Bund die Abgabe bei den Unternehmen ein. Die Firma Secon erklärte gegenüber Medien, sie wolle für den Auftrag 37 neue Mitarbeitende einstellen. Die Billag bezweifelt jedoch, dass das ausreicht.

Linke vermutet Manöver

Die Gewerkschaft Syndicom und SP-Präsident Christian Levrat (FR) vermuten hinter der Auftragsvergabe ein politisches Manöver. Angesichts der Kampagne der SVP gegen die SRG habe man den «Sündenbock» Billag entfernt, glaubt Levrat. Das Bundesamt für Kommunikation widerspricht: «Wir haben bei der Vergabe nach objektiven Kriterien entschieden, die im Vorfeld festgelegt wurden», sagt eine Sprecherin. Wegen der «No Billag»-Initiative gibt es für den Bund indes ein finanzielles Risiko: Sollte das Stimmvolk diese annehmen, müsste der Bund das Mandat abbrechen und eventuell Schadenersatz an Serafe zahlen. Ob ein solcher fällig wäre, hänge vom Zeitpunkt der Annahme der Initiative ab, heisst es beim Bund.

Auf die «No Billag»-Initiative an sich hat der Entscheid keinen Einfluss: Das Initiativkomitee macht zwar Stimmung mit der Marke «Billag», der Initiativtext verlangt jedoch grundsätzlich die Abschaffung der Radio- und Fernsehgebühren – unabhängig davon, von wem diese eingetrieben werden.

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