Motorendröhnen im oberen Kantonsteil

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Autor
Pascal Oesch

Mehr als 200 Fahrer stehen im Mittelpunkt des neunten Supermoto Ramsen. Rund 2500 Zuschauer säumen über das Rennwochenende die Strecke.

Vier Leute steigen am Sonntagvormittag in den Überlandbus am Schaffhauser Bahnhof. Sie fragen den Chauffeur, wo sie ihn verlassen müssen, wenn sie das Supermoto Ramsen besuchen wollen. Er nennt die Endstation, gibt bereitwillig Auskunft, muss teilweise sein Französischvokabular hervorkramen. Zwei Gäste sind aus dem Wallis angereist, wie sich auf Nachfrage herausstellt. Und sie sind nicht die Einzigen, die einen weiten Weg auf sich nehmen. «Die Zuschauer kommen von überall her», weiss Marcel Rymann. Der OK-Präsident steht am Infostand. Wohl der Ort, an dem alle Fäden zusammenlaufen. Fein säuberlich sind Pokale dort aufgereiht; knallgelbe Helfershirts und Ohrenpfropfen warten auf potenzielle Träger.

150 freiwillige Helfer

Denn für einen Anlass solchen Formats braucht es freiwillige Mitarbeiter en masse: 150 sind über das Rennwochenende in Ramsen involviert – als Streckenposten, in der Festwirtschaft oder im VIP-Bereich. Bereits zum neunten Mal geht das Supermoto dieses Jahr über die Bühne. Der 900 Meter lange Rundkurs führt über Asphalt- und Offroadbereiche. Spektakuläre Sprünge, enge Kurven und schnelle Geraden wechseln sich ab. Ein Parcours, der den mehr als 200 Fahrern einiges abverlangt. Genauso wie das Publikum kommen sie aus der ganzen Schweiz. Um ihrem Hobby frönen zu können, investieren sie viel Zeit, Herzblut und Geld. Im Teilnehmerfeld reiht sich der eine oder andere bekannte Name ein.

Armin Ruh etwa, ein regionaler Vertreter aus dem benachbarten Buch. Oder Philippe Dupasquier, mehrfacher nationaler Meister und EM-Teilnehmer. Und Patrick Tellenbach, 31-jähriger Aaargauer – wie Dupasquier in der viel beachteten Kategorie «Prestige Open» unterwegs. Er sei mit der bisherigen Saison äusserst zufrieden, erzählt Tellenbach beim Gespräch im Fahrerlager am Dorfrand. «Bis jetzt hätte es nicht besser laufen können», sagt er und fügt an: «Ramsen ist sowieso stets ein Höhepunkt.» Das hängt damit zusammen, weil im oberen Kantonsteil auch die Finalwettkämpfe um den Schweizer-Meister-Titel stattfinden. Wenn die Motoren dröhnen, wirbelt Staub auf. Dann gehen Überhol- manöver mit Rangkämpfen einher. Schliesslich kann in der Endausmarchung jeder Punkt entscheiden. Und das goutieren die 2500 Zuschauer, die über beide Tage in die Region pilgern. Im grossen Festzelt übt sich ein Teil von ihnen im Schlangestehen. Jeder will sich in der Mittagspause verköstigen, bevor die Rennen weitergehen. Es duftet nach Kaffee, Würsten und Pommes frites.

Die «Stimme von Ramsen»

Währenddessen bereitet sich Chris Berger auf seinen nächsten Einsatz vor. In Rheinau wohnhaft, amtet er zum zweiten Mal als Speaker. Er ist sozusagen die «Stimme von Ramsen.» Selbst 20 Jahre als Fahrer aktiv, lancierte er seine Zweitkarriere 2016 in Beggingen. «Vor der Veranstaltung bin ich schon ein wenig nervös», gesteht Berger ein. Aber das legt sich, sobald die ersten Worte gesprochen sind. Er kennt die Szene wie seine Westentasche. Das vereinfacht die Aufgabe natürlich: Chris Berger erzählt an beiden Renntagen manche Anekdoten, offenbart fundierte Sachkenntnis und greift auf seinen reichen Erfahrungsschatz zurück. Sein wichtigstes Arbeitsutensil ist das Mikrofon – gar keine Frage. Doch nicht zu unterschätzen sind die Bonbons, die vor ihm auf dem Tisch liegen. «Ohne sie geht es nicht», lacht Chris Berger.

Genau wie er ist auch OK-Präsident Marcel Rymann ein ehemaliger Fahrer. «Meine jetzige Tätigkeit gibt fast gleich viel Arbeit», erklärt er zwischen zwei seiner vielen Termine. Rymanns Fazit fällt positiv aus; ausser leichten Blessuren gab es nichts zu beklagen. «Wir sind sehr zufrieden», betont er. Bis seine Kollegen und er alle offenen Abrechnungen durchgebucht haben, werden einige Wochen ins Land gezogen sein. Bis dann beschäftigen sich die Verantwortlichen schon bald wieder mit der nächsten Austragung des Supermoto Ramsen. «Da die Vorbereitung dafür bis Ende Oktober anläuft, überschneidet sich alles», schmunzelt Marcel Rymann abschliessend.

 

 

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