Schaffhauser Vereine verpassen Finals

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Autor
Christoph Merki

Die turnerischen Leistungen der Schaffhauser Vereine ­waren gut bis sehr gut, zu ­Finalplätzen reichte es aber trotzdem nicht.

Als Schaffhauser Favorit in den Wettkampf gestartet, hatte der TV Buchthalen ein klares Ziel: die Finalqualifikation. Daraus wurde jedoch nichts. Weder am Reck noch in der Gerätekombination konnte sich der TVB für das ­Finale qualifizieren. «Am Reck sind wir selbst schuld», konstatierte der Oberturner Simon Trachsler, «wir haben nicht die Übung gezeigt, die wir turnen könnten.» Entsprechend enttäuschend war sodann die Bewertung von 9,19 Punkten. Besonders ärgerlich war jedoch die Benotung in der Gerätekombination. Die sehr gute Darbietung wurde vom Wertungsgericht mit 9,33 Punkten bewertet. Somit verpassten die Schaffhauser Gerätespezialisten um nur einen Hundertstelpunkt den Einzug in den Final. «Es gibt nichts, was bitterer ist, als so knapp das Finale zu verpassen», meinte Trachsler sichtlich enttäuscht, «wir haben eine top Gerätekombination gezeigt und haben uns trotzdem nicht qualifiziert.»

Notenabstand ist zu gross

Chancen auf eine gute Platzierung wurden ebenso dem TV und DTV Beggingen eingeräumt. Die Abschlussbilanz fiel jedoch ernüchternd aus. Nicht nur fielen die Platzierungen schlechter aus als erwartet, vor allem die Benotung in der Gerätekombination und am Schulstufenbarren stiess auf Unverständnis. «Die Leistung der Turner war gut», zog Erich Wanner das Fazit über den Auftritt in der Gerätekombination. Die vergebenen 8,48 Punkte seien daher nicht ganz nachvollziehbar. Dennoch sei dieser Wettkampfteil das Highlight gewesen, betonte Andrea Vogelsanger. «Die Stimmung in der Halle war super, das Publikum hat richtig mitgemacht, es hat sich gelohnt, dabei zu sein.» Einzig am Barren konnten die Begginger eine Note über neun Punkten erturnen. Bis kurz vor Schluss der Darbietung wurden sie ihren Erwartungen gerecht, mussten dann jedoch einige Fehler in Kauf nehmen. «Mit der Note sind wir eigentlich zufrieden, viel besser können wir dieses Programm nicht turnen», meinte Oberturner Claudio Wanner, «aber der Abstand zu den Top-Vereinen ist notenmässig doch sehr gross.» Die Teilnahme an gleich drei Wettkämpfen sei jedoch kein Grund für das schlechte Abschneiden. «Wir haben die unterschiedlichen Disziplinen an verschiedenen Tagen trainiert», erklärte Vogelsanger, «es wäre nicht besser gekommen, hätten wir uns nur auf ein Gerät fokussiert.»

Zu der Schweizer Spitze jedoch kann sich das Gymnastikzentrum (GZ) Schaffhausen definitiv zählen. Die erturnte Note in der Gymnastikbühne von 9,42 ist an sich schon gut. Jedoch sind hier schon zwei Zehntel Ordnungsabzug eingerechnet. Dieser resultierte aus dem Missgeschick einer Turnerin, welche vor dem Wettkampf vergessen hatte, ihre Armbanduhr abzulegen. Der 9. Rang am Ende reichte klar nicht für die Finalqualifikation. Umso ärgerlicher der Umstand, dass die Qualifikation ohne den Ordnungsabzug Realität geworden wäre. «Turnerisch können wir uns nichts vorwerfen», meinte Susanne Oettli, «umso grösser ist natürlich die Enttäuschung.»

Gute Erfahrung für die Zukunft

Weit entfernt von einer Finalteilnahme klassierte sich der TV Thayngen am Reck auf dem 8. Schlussrang. Die Leiterin Linda Surber zeigte sich dennoch zufrieden: «Wir haben unser Ziel erreicht und unseren bestmöglichen Ablauf geturnt.» Die Chance, an einer SMV in der Region zu starten, wollte sich auch der TV Schaffhausen (17.) nicht entgehen lassen, dabei stand die Bewertung seines Sprungprogramms nicht im Vordergrund. Vielmehr sei das erklärte Ziel, die jungen Turnenden zu motivieren, in Zukunft wieder regelmässig an den nationalen Meisterschaften teilzunehmen. Vor allem die nächste Generation an Turnern für den nationalen Wettkampf zu begeistern, stand beim Satus Schaffhausen im Vordergrund. «Mit den eigenen Kindern an einer SMV zu turnen, ist einfach super», strahlte Urs Schüpbach. Mit der Leistung seien sie zufrieden, auch wenn eine Platzierung an den Schaukelringen im hinteren Teil der Rangliste (21.) resultiert sei. Über die grosse Unterstützung aus dem Dorf freute sich Élodie Ronner vom STV Hallau (18.). «Die Turnerinnen sind an der SMV schon sehr konzentriert und fokussiert», stellte sie fest. Auch wenn die tiefe Note am Schulstufenbarren im ersten Moment enttäuschend gewesen sei, der Vergleich mit den Spitzenvereinen würde diese Enttäuschung wieder relativieren.

Nachgefragt

heiss

«Bester Anlass der Vereinsgeschichte»

Nach 1973 und 1993 (noch als Sektionsmeisterschaften) kamen die Schweizer Meisterschaften im Vereinsturnen (SMV) dank dem Teevau Wilchingen zum dritten Mal nach Schaffhausen. In und rund um die BBC-Arena erlebten die Zuschauer zwei Tage Turnspektakel auf höchstem Niveau. Christian Heiss blickt noch einmal zurück.

Christian Heiss, an zwei Tagen standen rund 3000 Turnende aus 140 Vereinen im Einsatz. Was für ein Fazit ziehen Sie als Präsident des Teevau Wilchingen und Vizepräsident der SMV nach den Siegerehrungen?

Für uns war es organisatorisch gesehen der beste Anlass in unserer Vereinsgeschichte. Von aussen haben wir viel Lob für die gesamte Infrastruktur mit ihren kurzen Wegen zwischen Hallen, Gymnastikbühne, Festzelt und Bar erhalten. Auch die Wettkampfabläufe wurden gelobt. Die Stimmung war hervorragend, und wir hatten keine Unfälle oder organisatorische Patzer. Es war ein rundum gelungener Anlass mit knapp 4000 Zuschauern über beide Tage verteilt.

War das schlechte Wetter am Samstag ein Problem für euch?

Nein – bei der Gymnastik draussen hatten wir etwas weniger Zuschauer als erwartet. Aber dafür war die Stimmung in den Hallen über beide Tage hervorragend, weil niemand draussen sein wollte.

Sportlich haben die Schaffhauser Vereine die Finaldurchgänge vom Sonntag allesamt verpasst – war das eine Enttäuschung aus Ihrer Sicht?

In erster Linie haben wir uns gefreut, dass sich überhaupt so viele Schaffhauser Vereine der Herausforderung SMV stellten. Natürlich wäre es schön gewesen, wenn der eine oder andere Verein im Finale gestanden hätte. Letztlich soll der beste gewinnen.

Was war aus Ihrer Sicht der Höhepunkt des Anlasses?

Mit dem Abschluss des dritten Finalblocks mit den Sprungdarbietungen kam es zum erwünschten Höhepunkt. Die Halle war voll, die Stimmung gut, und die Darbietungen waren grandios. Das war aus meiner Sicht der sportliche Höhepunkt des Anlasses.

Hat sich der Teevau Wilchingen nach einer intensiven Phase bereits neue Ziele gesteckt?

Uns war klar, dass wir uns mit den SMV in Schaffhausen auf einen ­organisatorischen Höhepunkt vorbereiten. In den nächsten Jahren wollen wir den Fokus wieder vermehrt aufs Sporttreiben legen. Den Chläggicup werden wir aber weiterhin organisieren.

Interview Corina Fendt

 

Impressionen zu den Schweizer Meisterschaften im Vereinsturnen: 

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