Fanstreit geht in die nächste Runde

Publiziert am
Autor
Tobias Erlemann

Anlässlich des Spiels gegen Xamax Neuenburg wurde von den Fangruppierungen North Winners und Bock’ers SH ein brisanter Flyer verteilt mit Vorwürfen gegen die FCS-Verantwortlichen.

Der Inhalt des Schreibens der FCS-Fangruppierungen North Winners und Bock’ers SH, welches unter der Überschrift «Stellungnahme zur aktuellen Situation» beim Spitzenkampf zwischen Schaffhausen und Neuenburg verteilt wurde, hat ordentlich Brisanz. «Da wir bis heute bezüglich eines Gesprächs nicht kontaktiert wurden, unterstreicht dies das falsche und feige Verhalten der Vereinsführung gegenüber uns Fans.» Der Vorwurf: Beim Spiel gegen den FC Aarau sollten die Anhänger ihrem angestammten Fanblock im Sektor C6 fernbleiben, da sie bei Risikospielen dort nicht mehr zugegen sein durften. Dies sei ihnen lediglich durch eine «Drittperson» per SMS Tage vor dem Match mitgeteilt worden. Ausserdem habe man keinen alternativen Platz angeboten bekommen. «Dies sagt einiges über das seriöse Verhalten des FCS gegenüber seiner treuen Fangemeinschaft aus», wird weiter kritisiert.

FCS-Geschäftsführer Marco Truckenbrod Fontana nimmt dazu klar Stellung – und echauffiert sich. «Diese sogenannte Drittperson war unser Sicherheitschef, also nicht irgendwer. Dieser ist zuständig für die Ordnung und Sicherheit im Lipo-Park.» Truckenbrod Fontana bestätigt jedoch, dass den Fans der Zugang zu ihren angestammten Plätzen gegen Aarau verwehrt werden sollte. «Wir hatten die Abmachung, dass die Fans in eben jenem Sektor stehen dürfen, solange es keine Vorfälle gibt», erklärt der FCS-Funktionär. Doch eben dazu kam es im Heimspiel zuvor gegen Winter­thur, der Sicherheitsbeauftragte der Swiss Football League erstattete Anzeige gegen den FCS wegen Provokationen gegenüber den Gästefans, weshalb der Verein eine Strafe bezahlen musste. «Das können wir nicht akzeptieren», erklärt Truckenbrod Fontana.

Boykott der Spiele

Die Fronten sind verhärtet. Auf der einen Seite der FC Schaffhausen, welcher um die spezielle Lage des «zweiten» Fanblocks wusste, welcher direkt neben den Gästefans liegt – aber irgendwie hoffte, dass es zu keinen Vorfällen kommt. Und dann dieser Angriff per Flyer, welcher sogar teilweise in Briefkästen eingeworfen wurden, was so nicht einfach hingenommen wird. «Wir haben viel für diese Fans getan. Aber irgendwann ist auch unsere Geduld am Ende», sagt Truckenbrod Fontana. Er sei zwar weiterhin gesprächsbereit, «aber der erste Schritt muss nun von diesen Fans kommen». Auf der anderen Seite stehen die Anhänger der North Winners und der Bock’ers SH, die sich innerhalb der FCS-Fanszene vor einiger Zeit mit der Bierkurve zerstritten haben und ihren eigenen Block wollen – und sich nun missverstanden fühlen. «Deshalb werden wir bis auf Weiteres die Heimspiele des FC Schaffhausen nicht mehr besuchen», lautet das Schlussstatement im verteilten Flyer.

Dieses Fernbleiben zelebrierte die Gruppierung dann auch schon gegen Aarau. Zur zweiten Halbzeit wurden die Plätze, die sie eigentlich sowieso nicht hätten einnehmen dürfen, wieder verlassen. «Unser Vorgehen war geplant (...) und nicht durch äussere Meinungen beeinflusst», stellen die North Winners und die Bock’ers SH klar. Nur zwei Spruchbände blieben auf den verwaisten Plätzen hängen: «Ihr wend üs nid? – Chönder ha!» Gegen Neuenburg war der Sektor C6 dann auch ganz verwaist. «Eigentlich gilt das Verbot nur für Risikospiele», stellt Truckenbrod Fontana klar – wohlwissend, dass der Streit zwischen Verein und den verärgerten Fans noch lange nicht ausgestanden ist.

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