«In Stresssituationen bleibe ich völlig cool»

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Tobias Erlemann

Seit einem Monat ist Boris Smiljanic (41) Trainer beim FC Schaffhausen. Nach den Siegen über Winterthur und Wil ist seine Bilanz nun ausgeglichen. Mit Akribie und Fleiss will er nun weitere ­Erfolge einfahren.

Dreierkette? Viererkette? Alles sekundär, Boris Smiljanic wünscht sich von seinen Spielern Flexibilität im System. Bild: T. Erlemann

Boris Smiljanic, vorgestern feierten Sie Ihren 41. Geburtstag. Happy ­Birthday! Was stand denn auf Ihrem Wunschzettel zuoberst?

Boris Smiljanic: (lacht) Als ich am Morgen aufwachte, ist meine Frau freudestrahlend auf mich zugerannt. Da wusste ich: Oh, heute ist wohl ein besonderer Tag. Ich bin überhaupt kein Geburtstagstyp. Mit den Gedanken war ich nicht beim Geburtstag, sondern schon wieder beim FCS.

Also mussten Ihre Frau Rahel und die beiden Kids die Geburtstagstorte ­alleine verzehren.

Keine Sorge. Wir hatten nur am Vormittag Training, da wurde später noch gefeiert. Meine Frau wollte unbedingt was Leckeres kochen, so wurde es noch ein «richtiges» Geburtstagsfest.

Rein sportlich hat die Mannschaft Sie zuletzt mit zwei Siegen beschenkt. Der Stotterstart mit zwei Pleiten zu ­Beginn ist ausgemerzt. Sind Sie nun so richtig in Schaffhausen angekommen?

Ich war von der ersten Sekunde an voll dabei in Schaffhausen.

Zufrieden wirkten Sie nach den Siegen über Winterthur und Wil aber nicht …

Ich bin es anders gewohnt, zu spielen und die Spiele zu gewinnen. Ich will dominant sein, viel Ballbesitz haben, die Kugel muss zirkulieren. Ich bin noch immer im Gewöhnungsprozess, dass wir mit dieser Mannschaft einen anderen Stil pflegen müssen.

Welchen Stil?

Wir sind defensiv stark und wollen durch ein schnelles Umschaltspiel Nadelstiche setzen. Ich habe mir das Spiel in Wil noch mal genau angeschaut. Wil hatte in der ersten Halbzeit keine Torchance. Wenn ich dann noch auf die Highlights schaue, dann ist der Sieg dort hochverdient für uns.

Sie sind seit einem Monat Trainer beim FCS. Sehen Sie schon eine Entwicklung hin zum «Smiljanic-Style»?

Da muss ich reif genug sein zu sagen: Stopp, das passt nicht. Ich kann nicht nur mein eigenes Ding durchziehen. Es geht hier nicht um mich, sondern um den Club. Am Schluss ist die Mannschaft der Chef.

Zum Einstand in Genf sprengten Sie aber gleich das erfolgreiche System …

Ich wollte Servette überraschen und eine Überzahlsituation im Mittelfeld erzeugen mit der Abkehr von der Dreier- auf die Viererkette. Die Intuition war richtig – nur hat Servette darauf sehr gut reagiert und ein klasse Pressing gespielt.

Danach kehrten Sie zum «Yakin- System» zurück. War das die Abkehr von der eigenen Philosophie?

Es entspricht einfach den Spielertypen bei uns. Murat Yakin hat ja die ganze Vorbereitung auch in einem anderen System gespielt und erst kurz vor dem Saisonstart umgestellt. Ein cleverer Schachzug.

Sind Sie genervt vom Namen Yakin?

(lacht) Ach, damit habe ich kein Problem. Es war ja damit zu rechnen, dass die Leute Murat hinterhertrauern, er hat in Schaffhausen schliesslich viel bewegt.

Zurück zur Aktualität. Ihr Captain André Luis Neitzke ist von Bord gegangen. Wie wollen Sie das auffangen?

Wir haben für die Verteidigung Nejc Mevlja. Vielleicht bin ich auch gezwungen, auf Viererkette umzustellen. Je nachdem, ob wir auf dem Transfermarkt noch aktiv werden.

Die Erwartungshaltung ist weiterhin hoch. Gegen Winterthur gab es nach 30 Minuten die ersten Pfiffe …

Die Pfiffe richteten sich aber nicht gegen die Mannschaft.

Sondern?

Die Pfiffe galten eher der allgemeinen Situation. Das hängt noch mit dem Wechsel von Murat zu mir zusammen. Die Berichterstattung war da nicht immer positiv. Als ich geholt wurde, hiess es, der Aufstieg sei nun nicht mehr möglich. Diese Aussagen bekam auch das Team mit. Das mussten die Spieler erst mal verarbeiten.

Können Sie mit solchen Unmuts­bekundungen umgehen?

Ich bin als Spieler von GC zu Basel gewechselt. Beim ersten Spiel mit dem FCB im Hardturm hingen im ganzen Stadion «Judas-Plakate». Wenn du da nicht stark im Kopf bist, hast du keine Chance. Ich kann auch mit schweren Situationen gut umgehen. Das hat vielleicht mit der alten GC-Schule zu tun. Nur wer mental stark war, schaffte den Durchbruch. In Stresssituationen bleibe ich deshalb völlig cool.

Jetzt geht es gegen Rapperswil-Jona. Das Hinspiel endete 6:0. Solch ein ­Ergebnis wollen die Fans wieder sehen.

Ganz so einfach läuft es in der Challenge League dann leider doch nicht. Rapperswil ist inzwischen in der Liga angekommen. Ich habe den Gegner aber eingehend studiert und ­Videos für die Spieler zusammen­geschnitten.

Sind Sie also ein Detailarbeiter?

Der letzte Gedanke vor dem Einschlafen dreht sich um den FCS. Und nach dem Aufwachen bin ich wieder komplett im Arbeitsmodus. Ich mache den Job nicht, weil ich es muss. Sondern weil er meine Leidenschaft ist.

Mit Akribie zum Erfolg. Feiern Sie Ihren 42. Geburtstag als Super-League-Trainer mit dem FC Schaffhausen?

(lacht) Das klingt doch gut, oder? Im Ernst: Für einen Aufstieg muss alles passen Wir müssen Glück haben mit Verletzungen. Wir dürfen nicht zu viele Sperren kassieren. Die Spieler müssen sich auch zu jeder Sekunde bewusst sein, dass sie zu leben haben wie Profis. Und wenn dann noch das Wettkampfglück dazukommt, dann ist der Aufstieg möglich.

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