«Der Kürbis ist salonfähig geworden»

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Autor
Mark Gasser

Die Berührungsängste mit Kürbisspezialitäten scheinen vorbei zu sein. Wie jedes Jahr strömten wieder Tausende nach Rudolfingen zur Kürbisbeleuchtung. Diesmal auch mit ordentlich Hunger.

Den Organisatoren der nunmehr 20. Kürbisbeleuchtung im 19. Jahr ihrer Durchführung war Wetterglück vergönnt: Am Freitagabend war der Himmel bei Vollmond klar – wobei kaum jemand bemerkte, dass ­dadurch die rund 1300 leuchtenden Kürbisse etwas weniger zur Geltung kamen als auch schon. Das Licht der Kürbisse wurde zugunsten einer besseren Sicht auf der Strasse abgeschwächt.

Auch am Samstagabend machte das Wetter keine Kapriolen. Auch wenn es einige Reaktionen gab wie jene eines Besuchers: «Man hätte noch ein paar Kürbisse mehr schnitzen können.» Das blieb letztlich Mäkeln auf hohem Niveau. Denn der Schein trügte: Nach der Sturmnacht vom 2. August, als viele Kürbisse hoffnungslos verhagelt worden waren, wurden unverhofft sogar eher mehr Kürbisse als in den Vorjahren verarbeitet, wie Judith Waser sagt, Mitinitiantin der Kürbisbeleuchtung, welche der Dorfladenverein Rudolfingen 1998 ins Leben gerufen hatte. Die meisten davon hat die Juckerfarm aus Rafz gespendet. «Aber wetterbedingt waren die Kürbisse halt eher klein. Und mit grossen Kürbissen kann man viel besser Lücken in den Strassen füllen», sagt Waser. Und bei der einen oder anderen Liegenschaft wollten die Besitzer keine Kürbisse «Da gab es dann halt ein Loch», so Waser.

Doch alles in allem waren die Reaktionen auch dieses Jahr weitgehend positiv. Und dass auch dieses Jahr am Freitag und Samstag geschätzte 8000 Besucher den Weg nach Rudolfingen fanden, bestärkt die Veranstalter und die Dorfgemeinschaft in ihrem jährlichen Engagement. Von 18 bis 21.30 Uhr waren am Freitag und Samstag die Strassen gestossen voll, «danach ist ­jeweils Schluss, und alle haben etwas gegessen», sagt Waser.

Ansehen der Kürbisse ist gestiegen

Apropos essen: Während die Besucherzahlen stabil geblieben sind, ist das Publikum kulinarisch viel experimentierfreudiger geworden. «Früher kamen sie, staunten und trauten sich kaum, etwas auszuprobieren. Heute merkt man: Sie kommen mit Hunger – und sie kommen auch zum Essen. Jede Beiz, jeder Stand verkauft viel mehr als am Anfang der Kürbisbeleuchtung.» Das habe wohl auch damit zu tun, dass das Ansehen des Kürbis allgemein sich in den 20 Jahren verändert habe: kaum ein Markt oder ein Dorfladen, wo es nicht Kürbisschnitze zu kaufen gebe. «Der Kürbis ist wieder salonfähig geworden», resümiert Waser.

Nächstes Jahr werde bei der 20. Durchführung die Kürbisbeleuchtung nochmals stattfinden, meint sie zuversichtlich. Mittlerweile glaubt sie – trotz der noch offenen Nachbesprechung – auch nicht, dass die Durchführung 2018 die letzte sein wird. Ob den Organisatoren der Appetit nach der 20. Kürbisbeleuchtung vergeht, wird sich dann zeigen.

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