Lauter Sterne, Hasen und Buchstaben

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Schaffhauser N…

Rund 20 Männer trafen sich am Montagabend im Pfadihaus Buchthalen zum ­Räbeliechtlischnitzen. Dabei gefehlt haben in diesem Jahr – die Kindergärtnerinnen.

Die Kinder trafen sich an verschiedenen Standorten zum Räbeliechtliumzug in Buchthalen. Ihr gemeinsames Ziel: der Lindenplatz, wo sich zum Schluss alle versammelten. Während des Umzuges sangen sowohl die Kinder als auch die Erwachsenen so bekannte Lieder wie «Räbeliechtli, wo gasch hii?». Bild: sho

von Kay Fehr

Eine Szene, wie sie sich auch in alten Zeiten hätte abspielen können: Es ist bereits dunkel draussen, als es sich zwanzig Männer am Montagabend in der Pfadihütte «HüBu» in Buchthalen an einem grossen Tisch gemütlich machen. Zwei Neonröhren und eine lange Lichterkette erhellen die Szenerie, im Hintergrund kommt aus einem Radio Musik. Der Raum wird von einem alten Kaminofen beheizt, die Männer müssen ab und zu Holzscheite nachlegen. In einer Ecke stehen zwei grosse Kartons mit zahlreichen Räben. Die Väter haben sich heute viel vorgenommen: Gemeinsam wollen sie Räbeliechtli für ihre Kinder schnitzen.

 

Zunächst suchen sie sich die Räben aus. Dabei hat jeder eine eigene Taktik: Einige bevorzugen möglichst grosse Knollen, andere wählen sich die kleineren aus. Dann müsse man nicht so viel schnitzen, meint einer der Männer. Während der Bearbeitung der Räben wird geplaudert. Thema Nummer eins sind natürlich die Kinder generell und im Speziellen die unerfüllten Forderungen des Kindergartenlehrpersonals – die in diesem Jahr zu einem Räbeliechtli-Boykott geführt hatten.

Der Austausch fehlt

Manchem Vater fehlt – wie sonst in jedem Jahr – der ungezwungene Austausch mit den Betreuerinnen. «Das finde ich schade», sagt Philipp Koffel, Vater von zwei Kindern. Trotzdem unterstützt der 41-Jährige das Anliegen der Kindergärtnerinnen: «Sie sollen die gleichen Anrechte haben wie die Lehrerinnen auch. Es gibt keinen Grund, das anders handzuhaben.»

Ähnlich sieht das Arijan Mustafa. Der 19-Jährige schnitzt die Räbe für seine kleine Schwester, weil ihr Vater geschäftlich unterwegs ist. «Erst habe ich gedacht, dass es falsch sei, so vorzugehen. Aber dann habe ich mich mehr mit dem Thema auseinandergesetzt, und jetzt habe ich Verständnis dafür», sagt er, «man muss ein Zeichen setzen.» Er hat noch schöne Erinnerungen an seine eigenen Räbeliechtliumzüge: «Man lernte sich dort besser kennen. Es war immer etwas Besonderes.»

Inzwischen sind die ersten Biolaternen schon fast fertig. Die Männer haben Sterne, Hasen und Buchstaben eingeschnitzt. Die Tradition des Räbeliechtliumzuges, vom gemeinschaftlichen Schnitzen der Väter bis zum Singen von «Räbeliechtli, wo gasch hii?», ist für Markus Gerschwiler besonders wichtig. «Es ist schön, dass heute Abend so viele gekommen sind. Das ist ein Bekenntnis zum Räbeliechtliumzug», sagt Gersch­wiler. Auch er findet die Forderung der Kindergärtner legitim, jedoch stört er sich daran, dass die Aktion sehr kurzfristig angekündigt wurde. «Das war unverständlich», sagt er.

Für Speis und Trank ist gesorgt

Seine Frau Martina hat sich unter anderem um das Essen gekümmert. Vor der Hütte steht auf einem Gasgrill ein Wok mit Risotto, Fleisch und Gemüse. Schliesslich soll später keiner vor Hunger in seine verzierte Räbe reinbeissen müssen. Zusätzlich stehen Kuchen, Wein und Bier bereit. Auch ein Unkostenbeitrag wird einkassiert, denn das Schnitzen wird dieses Jahr komplett von privater Seite her organisiert. Trotz der im Vorfeld hitzig geführten Debatte rund um das Kindergartenlehrpersonal ist die Stimmung unter den Männern gut.

Gestern Abend fand schliesslich der eigentliche Umzug statt. Die Buben und Mädchen verschiedener Buchthaler Kindergärten konnten gemeinsam um die Häuser ziehen, ihre Lichter zeigten ihnen dabei den Weg. Dabei war die Politik dann für einmal ganz nebensächlich – es standen nur die Kinder im Vordergrund.

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