Mit dem Post-Töffli durch Amerika

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Schaffhauser N…

Die Route 66 in den Vereinigten Staaten ist Ziel vieler Motorradfahrer. Roland Gueffroy erzählt, wie er die 4000 Kilometer mit einem Post-Töffli zurücklegte.

Humorvoll und spannend erzählt Roland Gueffroy von seiner abenteuerlichen Fahrt. 4000 Kilometer, drei Zeitzonen und eine «furchtbar» heisse Wüste, all das mit seinem Post-Töffli «Lucy». Bild: Selwyn Hoffmann

von Christina Brodowsky

Eine Beiz, ein Stammtisch, Freunde mit ihren Harleys und jede Menge Bier. Mehr braucht es nicht für eine verrückte Idee. Mit diesen Worten begann Roland Gueffroy aus Zofingen am Sonntagnachmittag seinen Vortrag im Altersheim Schönbühl. An jenem Stammtisch träumten seine Kollegen davon, die berühmte Route 66 von Chicago nach Los Angeles mit ihrer Harley zu fahren. Die historische Strasse führt von Osten nach Westen durch die USA und misst etwa 4000 Kilometer. «Was ihr mit eurer Harley macht, das kann ich auch mit einem Post-Töffli», hatte Gueffroy behauptet. Da seine Freunde sich am nächsten Tag noch an seine Aussage erinnerten, musste Gueffroy seinen Worten Taten folgen lassen.

Fahrender Motorrasenmäher

Bald darauf stand er am Zoll in Chicago, wo er einem verwirrten Beamten erklären musste, was ein Post-Töffli überhaupt ist. Schliesslich wich das Stirnrunzlen einem Grinsen, und der Beamte gab ihm ein Formular. «Mein Töffli wurde damit offiziell als fahrender Motorrasenmäher registriert», erzählt Gueffroy einem amüsierten Publikum. Glücklich, nicht gleich am Anfang sein Vorhaben in den Sand setzen zu müssen, machte sich der Abenteurer auf den Weg. Kaum 50 Kilometer von Chicago entfernt wurde Gueffroy von Polizisten angehalten. In einer humorvollen Schauspieleinlage ahmte Gueffroy die Polizisten nach, welche ihn in guter Westernmanier breitbeinig und mit den Händen am Gürtel konfrontierten. «Du wirst es niemals bis Los Angeles schaffen», hatte ihm einer von ihnen gesagt, doch auch sie liessen ihn ziehen.

Geräusche wie eine richtige Harley

Noch im selben Bundesstaat verstopfte der Auspuff des Post-Töfflis, das Gueffroy liebevoll «Lucy» nennt. In einer etwas fragwürdigen Operation zerlegte ein Mechaniker den Auspuff, schnitt Teile heraus und setzte ihn wieder zusammen. Danach fuhr Lucy nicht nur wieder mit 42 km/h, sondern machte auch Geräusche fast wie eine richtige Harley. Gueffroy gab sich viel Mühe, um auf der Route 66 mit den anderen Motorradfahrern mithalten zu können. Vor der Reise montierte er Fussraster an seinem Post-Töffli. «Daran erkennt man einen richtigen Harley-Fahrer.» Acht Wochen tuckerte Gueffroy mit seiner Lucy quer durch die USA. Eine der schwierigsten Etappen stellte die Mojave-Wüste in Kalifornien dar. «Es ist, als ob einem drei Leute mit einem heissen Föhn ins Gesicht pusten und ein weiterer Staub in die Luft streut», so beschreibt Gueffroy seine Empfindungen in der bis zu 50 Grad heissen Wüste, die sich über 500 Kilometer erstreckt. Doch auch diesen Extremtemperaturen hielt Lucy stand.

Endlich in Los Angeles angekommen, nach acht Wochen auf der Strasse, die man mit einer Harley in zwei schaffen könnte, wurde Gueffroy wehmütig. «Auf den letzten Metern habe ich mein Töffli auf fünf km/h abgebremst, um diesen Moment geniessen zu können», erzählt er. Nicht nur hatte er viele Leute kennengelernt und ein Abenteuer erlebt, er hatte dem Polizisten von Chicago bewiesen, dass es doch machbar ist, mit einem Post-Töffli nach Los Angeles zu fahren.

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