Herdenverhalten und Netzstrümpfe

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Schaffhauser N…

Die Proben für das diesjährige Sommertheater sind in vollem Gang. Die SN waren am Sonntag, 123 Tage vor der Premiere, im «Cardinal» auf Probenbesuch.

von Ursina Storrer

Bereits seit Mitte Januar treffen sich die 18 Laiendarstellerinnen und -darsteller regelmässig und teilweise mehrmals wöchentlich zu Szenenproben und Trainingseinheiten in unterschiedlichsten Konstellationen. Nachdem das Sommertheater 2015 im Hinterhof der Musikschule das Publikum mit Tanztheater überraschte, müssen dieses Jahr wieder umso fleissiger Texte gepaukt werden. Inszeniert wird mir George Orwells «Farm der Tiere» ein Klassiker der englischen Postmoderne – weithin interpretiert als Parabel auf die Geschichte der Sowjetunion und gewertet als Kritik am aufkommenden Stalinismus. Die persönliche Deutung des Sommertheaterstücks wird gänzlich den Zuschauern überlassen bleiben. Bis Letztere allerdings vor der alten Sternwarte Steig das Vergnügen haben werden, steht für die Sommertheatercrew noch einiges an Arbeit an.

Mäh, Wuff und Oink

Am Sonntag wurde im «Cardinal» in Gruppen geprobt. Die Schafe schliffen mit Bewegungstrainerin Fiona Zolg in szenischen Wiederholungen mimisch und gestisch an ihrem Herdenverhalten. Hühner, Raben und Pferde übten zusammen mit Komponist Thomas Silvestri auf verschiedensten Instrumenten ein Stück der Theatermusik, während die Schweine und die Hunde in einem dritten Raum mit Regisseur Jürg Schneckenburger grunzend und hechelnd den ersten Einsatz von Requisiten probten. So war das Gespenst, das am Sonntagnachmittag in den Proberäumen im «Cardinal» umging, nicht etwa jenes des Kommunismus, sondern vielmehr ein ganz lebendiger Schöpfungsgeist. Das Stück, das nach George Orwells Buch von dem Dramaturgen Andri Beyeler und dem Regisseur Jürg Schneckenburger in eine Mundartfassung umgeschrieben wurde, wird vom Verein Sommertheater, wie bereits angedeutet, auch musikalisch interpretiert. Thomas Silvestri, renommierter Schaffhauser Jazzpianist und -pianolehrer, komponierte die Musik dazu. Wie die Tiere, die sich gegen die Unterdrückung durch den Farmer auflehnen, ist auch die Musik, welche die Darstellerinnen und Darsteller selbst spielen, eigenwillig. Ein Tisch-Harmonium, ein Akkordeon, Flöten, Bass Perkussion und Ukulelen – klanglich eine wunderbare Mischung aus Zirkusmusik und Gypsi.

Kleider machen Tiere

Bleibt noch die Frage zu klären, wie die Darstellerinnen und Darsteller während der Darbietung den Wechsel von der Erzählebene über die Musikerebene bis hin zu ihren Tierrollen vollziehen sollen. Eine wichtige Rolle hierbei wird nicht nur das schauspielerische Training, sondern auch das jeweils passende Kostüm spielen. Olivia Grandy stellte den Mitwirkenden das mit Jürg Schneckenburger abgesprochene Kostümkonzept vor. Gespannt scharte sich die Sommertheatertruppe um die Entwürfe und lauschte den Überlegungen der Schneiderin. Die Reaktionen waren gespannt positiv, einzig die möglichen Materialen bereiteten einigen «Tieren» Sorge wegen der Sommerhitze. Ach, und «Schau mal, wir kriegen Netzstrümpfe!» – von welcher Gruppe diese aufgeregte Aussage kam und ob an der Premiere des Sommertheaters am 27. Juli tatsächlich Netzstrümpfe zu sehen sein werden, wird sich den Mitwirkenden im Verlauf der nächsten Wochen und Monaten, den Zuschauerinnen und Zuschauern dann im Sommer zeigen.

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