«Er ein Mobbingopfer? Das stimmt nicht!»

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Autor
Zeno Geisseler

Wie schlimm war es tatsächlich mit dem Sek-Schüler, der im Bachschulhaus mit seinen Drohungen für Angst sorgte? Jemand aus dem Kreis der Schüler hat seine Sicht der Dinge erzählt.

Schulhaus Bach. Bild: Selwyn Hoffmann

Drohungen, ein Polizeieinsatz, eine Suspendierung: Der Fall eines Sek-Schülers (17), der im Bachschulhaus für Angst sorgte, beschäftigt Schule, Behörden und Öffentlichkeit. Doch nach wie vor ist nicht wirklich bekannt, was genau geschah. Die Schulbehörde trifft sich heute Abend, um die Sicherheitslage an allen Schaffhauser Schulen zu diskutieren, für morgen ist eine Mitteilung versprochen. Bis dahin wird geschwiegen. Doch nicht alle möchten länger den Mund halten. Wir haben mit einer Person aus dem Kreis der Schüler gesprochen, welche die Vorfälle miterlebt hat. Um unsere Auskunftsperson zu schützen, schreiben wir keine richtigen Namen oder weitere Details. Wir nennen die Person «F.».

Kinder an die Wand gedrückt

«Begonnen hat es nach den Herbstferien», sagt F. «Er hat plötzlich angefangen herumzuschreien, und wenn Kinder im Gang im Weg waren, hat er sie einfach aus dem Weg geschubst oder an die Wand gedrückt.» Eine weitere Episode, die F. erzählt: «Der Schüler sagte zu jemandem: ‹Dich mache ich fertig›, dann gab es einen Kampf, ein Lehrer ging dazwischen, und der Schüler schlug um sich.» Besonders mit weiblichen Personen, egal ob Schülerinnen oder Lehrerinnen, habe der Schüler laut F. Mühe gehabt. «Er hat in der Stadt Mädchen bespuckt. Und zu einer Lehrerin sagte er, sie solle verschwinden.»

Schulvorsteher Markus Brütsch hatte gegenüber den SN gesagt, dass der Schüler auch ein Opfer sei, denn er sei gemobbt worden. Über diese Aussage ist F. sehr erstaunt. «Wir waren schockiert, als in der Zeitung stand, dass er ein Opfer sei. Das stimmt nicht! Er ist gross und kräftig, wir hatten Angst vor ihm! Er wurde nicht mehr gemobbt als andere, wir gingen ihm sogar aus dem Weg, damit es möglichst keine Konflikte gab.» Solche Konflikte habe es trotzdem immer wieder gegeben, so etwa im Turnen. Dort habe er Mitschüler mit Bällen beschossen, und diese hätten die Lehrer gefragt, ob der Schüler nicht aus dem Sportunterricht genommen werden könne.

«Viele Lehrer nimmt es stark mit. Es ist aber auch schwierig für die Lehrkräfte, die Situation einzuschätzen.» Das ganze Schulhaus sei angespannt gewesen, sagt F. «Wir wussten nie, ob wieder etwas passiert.»

Wir haben F. auch gefragt, ob es stimme, dass Mädchen betatscht worden seien. F. kann dies nicht bestätigen. «Er ist aber im Unterricht den Mädchen durch die Haare gefahren, einfach so.» Warum der Schüler seit den Herbstferien Probleme machte, weiss F. nicht. Mit ihm künftig zu tun haben möchte F. aber lieber nicht. «Wir sagen nicht, dass er ein Unmensch ist. Aber für ihn und für uns wäre es gut, wenn wir Distanz hätten. Die Anspannung bleibt.» Und warum hat F. sich dazu entschieden, mit dem Erlebten an die Öffentlichkeit zu gehen? «Wir wollen nicht, dass alles vertuscht wird und dass Unwahrheiten erzählt werden. Wir wollen nicht, dass es heisst, alles sei nur erfunden gewesen», sagt F. «Es war keine gute Zeit.» F. betont, dass die Stimmung im Schulhaus, abgesehen von dem Vorfall mit dem Schüler, gut sei. «Wir sind ein friedliches Schulhaus.»

Warten auf die Behörden

Kaum Aussagen zum Fall gibt es bislang von offizieller Seite. Während der für die Schulen zuständige Stadtrat Raphaël Rohner klargemacht hat, dass ein solches Verhalten nicht toleriert werde und dass transparent ­informiert werden müsse, hat eine ­andere Person bisher geschwiegen: Katrin Huber, die Präsidentin des Stadtschulrats.

«Vorsicht bei der Kommunikation»

Die Kommunikation des Stadtschulrats ist immer wieder auch Thema in der Politik. 2009 etwa gab es in der ­Sekundarschule Buchthalen Probleme mit Lehrern. Grossstadtrat Walter Hotz (SVP) schrieb damals in einer Kleinen Anfrage, dass der Stadtschulrat die Kommunikation weitgehend verweigere. Auch damals war Katrin Huber Schulpräsidentin. Die Stadtregierung schrieb in ihrer Antwort, dass bei der Kommunikation eben Vorsicht geboten sei, «da es oftmals um per­sönliche Fragestellungen geht, welche aus naheliegenden Gründen nicht in der Öffentlichkeit diskutiert werden dürfen. Dazu gehören beispielsweise Kritiken und Vorwürfe an eine Lehrperson, Bedrohungen, Mobbing oder strafbare Handlungen von Kindern und Jugendlichen.»

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