Badi steht das Wasser bis zum Hals

Autor
Luc Müller

Schulden von 445 000 Franken belasten die Badi Unterer Reiat – damit das Bad auch in Zukunft offen bleibt, fordert der Vorstand eine Neuausrichtung.

Die Badi Unterer Reiat in Hofen – hier ein Bild von 1987 – feierte in diesem Jahr das 50-Jahr-Jubiläum. Damit die Badegäste auch weiterhin viel Freunde an dem «Bijou» haben, braucht es jetzt eine Zukunftsstrategie. Bild: Bruno Bührer

In dieser Woche fanden die Einwohner von Thayngen, Stetten und Büttenhardt einen Brief mit klaren Worten in ihren Briefkästen: «Ein Weiterbetrieb der Badi ist risikobehaftet und grundsätzlich nur möglich, wenn Gemeinden und Sie alle, liebe Bewohnerinnen und Bewohner des Oberen und des Unteren Reiats, die Badi solidarisch unterstützen.» Absender der Botschaft sind der Vorstand der Schwimmbadgenossenschaft Badi Unterer Reiat sowie die Gemeinden Thayngen, Stetten, Lohn und Büttenhardt. Im Schreiben ist erwähnt, dass das Schwimmbad Schulden in Höhe von 445 000 Franken hat. Die Einwohner werden im Brief aufgefordert, mit Anträgen in den Gemeinden für höhere Finanzbeiträge zu sorgen oder selbst proaktiv am Freibad mitzuwirken. Die Aufforderung hat bereits gewirkt: Auf Antrag hat die Gemeindeversammlung am Montag in Lohn den Betrag an die Badi auf 5000 Franken erhöht.

Zwei Szenarien

Die finanziellen Schwierigkeiten des kleinen Bades, das eine Genossenschaft trägt, waren schon länger bekannt. Rolf Amstad, der im Vorstand der Genossenschaft sitzt, erklärt: «Wir müssen jetzt nicht sofort handeln. Wenn nicht alle Stricke reissen, starten wir 2018 in die nächste Saison. Aber es geht um eine Zukunftsstrategie, die wir nun festlegen wollen und müssen.» Zusammen mit Vorstandsmitglied Markus Hänni hat er die Briefe verteilt.

Grundsätzlich seien zwei Szenarien denkbar: Im ersten Fall würde die Badi mit dem Restaurant unter minimalem Kostenaufwand weitergeführt. «Das wäre aber mit Einschränkungen verbunden, vielleicht mit kürzeren Öffnungszeiten für die Badi», erläutert Amstad. Die Alternative: die Badi auf Zeit schliessen und gegebenenfalls nur das Bistro öffnen.

Neue Investitionen stehen an

Auch die abgelaufene Badisaison wird zwar erneut mit einer schwarzen Null abschliessen. «Bisher haben wir den Betrieb immer wieder stemmen können», betont Rolf Amstad – das bei einem jährlichen Aufwand von rund 60 000 Franken. Unterstützt wird die Genossenschaft von einem rund 250 Mitglieder starken Gönnerverein. «Wir kommen seit Jahren gerade so durch», bilanziert Rolf Amstad. «Aber genau das ist auch das Problem. Wir konnten nie Rückstellungen für Investitionen bilden.» Doch diese stehen schon bald wieder an. Die Folie des kleinen Schwimmbades, das in diesem Jahr sein 50-Jahr-Jubiläum gefeiert hat, muss ersetzt werden. Der Belag des Spielbaches ebenfalls, auch im Bistro sind Küchengeräte zu erneuern, und das Dach ist zu machen.

Doch Schulden von 445 000 Franken belasten die Badi Unterer Reiat und verunmöglichen eine langfristige Planung für die nächsten Jahre.

«Wir sind hier in Hofen ein Unikum. Bäder in dieser Grösse sind normalerweise in Gemeindehand.»

Rolf Amstad, Vorstand Badigenossenschaft

Vor zwei Jahren hat ein neuer Vorstand das Ruder übernommen. «Bei Antritt haben wir nichts von den Schulden gewusst. Erst mit der Zeit sind Unterlagen aufgetaucht und haben sich die Hintergründe offenbart», berichtet Amstad – nicht ohne zu erwähnen, dass die vorherige Crew mit viel Herzblut und Freiwilligenarbeit für die Badi gearbeitet hätte. Doch mit dem neuen Vorstand ist zusätzliche Professionalität in die Führung eingeflossen und ein detaillierter Businessplan entstanden. Die Schulden von 445 000 Franken stammen aus der Zeit vor rund zehn Jahren, als das Bad komplett saniert und unter anderem mit dem Bistro erweitert wurde. Eine Bank und eine Privatperson waren die Geldgeber, sagt Ralf Amstad.

Infoabend im Januar 2018

Mit der Gemeinde Thayngen und den Gemeinden im Oberen Reiat, Stetten, Lohn und Büttenhardt, hat die Schwimmbadgenossenschaft bereits Gespräche geführt. «Wir wünschen uns, dass sich die Gemeinden stärker finanziell beteiligen. Vielleicht auch in Form einer jährlichen Defizitgarantie», schaut Amstad in die Zukunft.

Von Thayngen fliessen für 2018 wieder 15 000 Franken, wie Gemeindepräsident Philippe Brühlmann erklärt – mehr Geld konnte die Gemeinde aber nicht aufbringen. «Es könnten uns auch Dienstleistungen weiterhelfen. Wenn die Gemeinde beispielsweise auch bei uns in der Badi den Rasen mähen würde.»

Das Bad, das von den Besuchern liebevoll als «Bijou» bezeichnet werde, sei ein Unikum. «Bäder solcher Grösse sind normalerweise in Gemeindehand», ergänzt Amstad. Eine Übernahme der Badi durch die Gemeinde wär toll, aber unrealistisch – gebe es in Thayngen doch schon eine Badi, bei der selbst Sanierungsbedarf bestehe. Der aktuelle Vorstand müsse sich neu formieren, sagt Ralf Amstad. Noch immer sind die Stellen des Präsidenten und des Vizepräsidenten unbesetzt.

Am 18. Januar 2018 findet um 19.30 Uhr in der Badi Unterer Reiat ein Infoanlass zum Stand der Dinge statt.

 

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