Heimfinanzierung langfristig planen

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Schaffhauser N…

Über die Bedrohungslage Stein am Rheins im Zweiten Weltkrieg referierte Matthias Wipf. Peter Bollhalder ­informierte am Anlass der SHKB über Heimkosten und Vermögensverzehr.

Die beiden Referenten Peter Bollhalder, Spezialist für Steuer- und Erbschaftsberatung (links), und Historiker Matthias Wipf sprachen gestern in Stein am Rhein. Bild: Eric Bührer

von Ursula Junker

Man habe bewusst zwei Themen gewählt, von denen man glaube, dass sie viele Besucher beschäftigten. So führte Urs Metzger, der Leiter der Steiner Filiale der Schaffhauser Kantonalbank (SHKB), in den gestrigen Anlass ein. Es ging um die Bedrohungslage in Stein am Rhein im Zweiten Weltkrieg und ums Thema Heimkosten und Vermögensverzehr.

«In der Beratung werden wir immer wieder darauf angesprochen, dass bei einem Heimeintritt die Heimkosten sukzessive das ganze Vermögen aufbrauchen.» Damit eröffnete Peter Bollhalder, Steuer- und Erbschaftsberater der SHKB, sein Referat über Heimkosten und Vermögensbildung anhand eines Fallbeispiels einer 80-jährigen Frau mit einem Vermögen von 200 000 Franken, monatlichen Einkünften von 3900 Franken und Ausgaben für das Heim von 8500 Franken. Im besten Falle, wenn die Krankenkasse ihren Anteil an den Pflegekosten übernehme, sei das Vermögen als Folge des Ausgabenüberschusses nach sieben Jahren aufgebraucht, so Bollhalder. Mit dem Vermögen sei auch die Erbschaft für die Nachkommen weg. Bei guten Vermögensverhältnissen würden sie auch unterstützungspflichtig. Hier führte Bollhalder die Ergänzungsleistungen ins Feld. Mehr Ausgaben als Einnahmen, so lautete die Voraussetzung für deren Bezug. Bollhalter riet deshalb, in Betracht zu ziehen, vor Eintritt ins Heim einen Teil des Vermögens an die Erben abzutreten. Im erwähnten Fallbeispiel führt das dazu, dass die Frau zwei Jahre nach Abtreten Ergänzungsleistungen bekommt und mithin ihr Heimaufenthalt finanziell gesichert ist. Wie die Details im Einzelfall zu regeln seien, dafür stehe die SHKB gerne zur Verfügung.

Bedrohungslage für Schaffhausen

Von Angst und Schrecken erfasst, zitierte Matthias Wipf, sei die Bevölkerung angesichts der militärischen Bedrohungslage Schaffhausens im Zweiten Weltkrieg gewesen. Das traf in ­besonderem Masse auch auf Stein am Rhein zu. Man bereitete sich deshalb schon gleich zu Kriegsbeginn auf eine Evakuation vor, die im Ernstfall vom Militär durchgeführt worden wäre. Man befürchtete, dass Stein wegen seiner Abwehrbauten, der Bunker auf Burg und einer Waldschneise besonders gefährdet sei. Deshalb liess der Stadtrat auch wichtige Dokumente und den goldenen Becher in die Innerschweiz bringen, wo auch die bürgerliche Museumsgesellschaft die Wappen lagerte. Ähnliches passierte mit den Unterlagen der SHKB. Deren damaliger Direktor organisierte einen Transport wichtiger Bestände, inklusive derjenigen aus der Steiner Filiale, nach Cham, wo sie in einer Filiale der Zuger Kantonalbank sicher lagerten. Im Rückblick wertete Wipf die damals grosse Belastung für die Banken indes auch als Chance, unter anderem, weil weltweit viele neue Filialen entstanden, aber auch, weil man im Anschluss moderne Tresoranlagen einbaute.

Zum Schluss seines Referats ging Wipf auf die Bombardierung Steins ein. Ebenso erinnerte er an die Erleichterung am Kriegsende, das man feierte, indem man eine Friedenslinde pflanzte.

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