Tulpenfrevler in die Trülle gesperrt

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Schaffhauser N…

Die oft zitierte «gute alte Zeit» hatte nicht selten Schattenseiten: Auch in Schaffhausen wurden einst Leute wegen relativ geringer Vergehen an den Pranger gestellt, ausgepeitscht oder in eine Schandgeige gezwängt. Gleichzeitig mussten sie den Hohn und Spott einer grossen Schar von Schaulustigen über sich ergehen lassen.

In eine solche Trülle wurden die fehlbaren Schaffhauser gesteckt. Bild: Homepage Ortsmuseum Schwamedingen

Vor dem Blockhaus, dem Schaffhauser Gefängnis, das sich im Bereich des heutigen Casinos auf dem Herrenacker befand, stand einst die «Trülle». In den drehbaren Käfig wurden «allerlei liederlich und lasterhaft Lüt» gesperrt. So zum Beispiel auch eine Frau, die 1657 der Trunksucht verfallen war. Mehrfach wurden dort auch Kellermeister eingesperrt, die ihren Wein mit Holunderbeerensaft umgefärbt oder mit Wasser gepantscht hatten. Bevor man sie in den Schandkäfig setzte, wurde ihnen noch ein Mass (etwa 1,3 Liter) vom eigenen Wein eingeflösst. Betrogene und schadenfreudige Mitbürger liessen es sich nicht nehmen, anschliessend die Trülle richtig in Schwung zur bringen, sodass die Delinquenten sich erbrechen mussten oder gar in Ohnmacht fielen. 1689 wurden die beiden Töchter des Turmwächters Hans Moosmann in die Trülle gesperrt, weil sie nach Zurzach gereist und dort auf dem Markt umhergestreift waren. Ausserdem sollen sie dort selbst gebackene Küchlein angepriesen und «allerhand verdächtige Bekanntschaften» angeknüpft haben. Die Schaffhauser Obrigkeit, die damals sehr auf Sittenstrenge achtete, liess so etwas nicht durchgehen. Noch schlimmer war es zwölf Jahre zuvor drei Knaben ergangen, die heimlich in den Garten von Hauptmann Emmanuel Stimmer eingedrungen waren und dort ein Beet mit «Tulipanen» zerpflückt und arg verwüstet hatten. Tulpen waren damals eine kostbare Rarität. Einzelne Zwiebeln erzielten auf Aktionen den Preis mehrerer Ochsen. Während die Eltern der Missetäter ins Gefängnis gesteckt wurden, um über die Schadtat ihrer Zöglinge nachzudenken, wurden die drei Knaben nacheinander vom Henker in die Trülle gesperrt. Danach führte er sie, eskortiert von Trommlern und Pfeifern, durch die Stadt. Während der «Schandprozession» mussten die Jugendlichen ein Sträusschen der geschändeten Blumen in Händen tragen, sodass jedermann die Ursache ihres Vergehens sehen konnte. Am Schluss wurden die drei jungen Delinquenten zur Stadt hinausgeführt und, wie es damals hiess, «dem Elend der Landstrassen» preisgegeben. (mha.)

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