Anschubfinanzierung für Miniaturwelt

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Autor
Saskia Baumgartner

1,3 Millionen Franken Fördergelder von Bund und Kanton gibt es für die Modelleisenbahnanlage Smilestones. Dies im Rahmen der Regional- und Standortentwicklung. Wieso fliesst so viel Geld in das Projekt?

Nicht nur Eisenbahnfreunde soll die geplante Modelleisenbahnanlage Smilestones anlocken. Der Kanton fördert das private Projekt mit 500 000 Franken. Bild: Selwyn Hoffmann

Am Rheinfall soll die Modelleisenbahnanlage Smilestones entstehen (siehe SN vom Mittwoch). Geschäfts­führer René Rüedi sprach bei der Pressekonferenz am Dienstag auch über die Finanzierung. 1,3 Millionen Franken Fördergelder, so Rüedi, erhalte man im Rahmen der Regional- und Standort­entwicklung für das Projekt. Im ersten ­Moment klingt diese Summe recht hoch. Wie ist sie einzuordnen?

Förderquote vergleichsweise klein

Patrick Schenk, Leiter der Geschäftsstelle Regional- und Standortentwicklung des Kantons Schaffhausen, sagt, dass die Summe von 1,3 Millionen Franken zwar vergleichsweise hoch sei. ­«Beachtet man aber die Gesamtinvestitionen in Höhe von 10 Millionen Franken und das Verhältnis zu der Summe, welche die Initianten in das Projekt eingebracht haben und noch einbringen werden, sind die 800 000 Franken Darlehen des Bundes und die 500 000 Franken des Kantons gerechtfertigt», so Schenk. Bei vielen RSE-Projekten machten die Fördergelder einen deutlich grösseren Teil der Finanzierung aus. Bei Smile­stones dagegen nur rund 13 Prozent. «Es ist eine klassische Anschubfinanzierung», sagt Schenk. Denn zu Beginn müsse die Firma investieren und könne noch keine Einnahmen verzeichnen. Dies ändert sich mit der Eröffnung der Anlage im Herbst 2018.

Längerfristige Darlehen wie die 800 000 Franken des Bundes für Smile­stones seien bei RSE-Projekten bislang eher selten gewesen, jedoch für sol­che Fälle sehr geeignet, sagt Schenk. ­Üblicher seien À-fonds-perdu-Beiträge. Auch der Kanton verzichtet auf die Rückerstattung der 500 000 Franken, die er an das Miniaturweltprojekt zahlt. Das Geld werde jedoch nicht aufs Mal gesprochen. Man habe klar definierte Meilensteine festgelegt, die erreicht werden müssten, damit Geld fliesse. Die Leistungsvereinbarung mit der Smile­stones AG ist bis 2021 ausgelegt. Darin berücksichtigt sei der Ausbau der ersten und der zweiten von insgesamt fünf geplanten Anlagenteile.

2016 gab es 19 RSE-Projekte

Die Mitfinanzierung von RSE-Projekten erfolgt generell durch den kantonalen Generationenfonds (siehe Box) und durch Mittel der Neuen Regionalpolitik des Bundes (NRP). Im vergan­genen Jahr wurden 19 Projekte durch die Regional- und Standortentwick­lung des Kantons gefördert. Drei waren 2016 vom Regierungsrat neu bewilligt worden: das Projekt Dampfschiff des Vereins Pro Dampfer, die Hochschule Schaffhausen der gleichna­migen AG und die Einkaufs- und Erlebnis­region Schaffhausen vom Projektträger Stadt Schaffhausen. Für die Hochschule Schaffhausen etwa wurden 2,5 Millionen Franken aus dem Generationenfonds zugesagt, weitere 500 000 Franken kommen vom Bund. Das Projekt läuft über zehn Jahre. Die Hochschule erhält jedoch nicht das höchste Fördergeld aus dem Generationenfonds, sondern der Verein Genuss­region Wilchingen, Osterfingen, Trasadingen. Dieser bekommt, respektive bekam, zwischen 2012 und 2018 rund 2,8 Millionen Franken vom Kanton und 3,5 Millionen vom Bund.

Das Volumen aller 19 RSE-Projekte, die im letzten Jahr gefördert wurden, betrug 45 Millionen Franken, woran sich der Bund mit 10 Millionen und der Kanton mit 10,6 Millionen Franken beteiligten. Die restlichen 24,4 Millionen Franken stammten von den Trägern. Die Zahlen beziehen sich auf die ganze ­Laufdauer der Projekte, die in der Regel mehrere Jahre dauern.

Bewilligt wird ein RSE-Projekt vom Regierungsrat, wenn eine Steigerung der Wertschöpfung zu erwarten ist. So auch bei Smilestones. Patrick Schenk erklärt, dass man sich eine Steigerung der Attraktivität des Rheinfallumfelds ausrechne. «Wir erwarten volkswirtschaftliche Effekte.» Dies etwa in der Gastronomie, den weiteren touristischen Angeboten in der Region, eventuell auch in der Schaffhauser Hotellerie. Noch sei die Verweildauer am Rheinfall relativ kurz, mit einem Angebot wie der Miniaturwelt könne diese verlängert werden. «Zudem werden neue Arbeitsplätze geschaffen, was für die Regional- und Standortentwicklung ebenfalls sehr relevant ist», so Schenk. Gemäss Smile­stones-Geschäfts­führer Rüedi sollen im Laufe des kommenden Jahres rund 15 Vollzeitstellen geschaffen werden, nach dem Endausbau sollen rund 30 Mitarbeiter bei Smile­stones angestellt sein.

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