Er gibt den Langläufern die Spur vor

Autor
Theo Kübler

Zum ersten Mal in dieser Saison hat Ruggero Pagnin die Loipen auf dem Randen gespurt. Das bedeutet jeweils viel Arbeit, die er aber immer gerne macht.

Tief lassen die Tannen ihre verschneiten Äste hängen und das junge Buchenholz neigt sich in weitem Bogen. Es ist mäuschenstill, jedes Geräusch wird vom Schnee verschluckt. Wie ein Bild im Märchenbuch steht der Wald auf den Höhen des Randens. Ein grelles Licht zwischen den Bäumen, ein Motorfahrzeug, von Raupen angetrieben, kurvt durch den Forst. Es ist Ruggero Pagnin, der Verantwortliche für die Randenspur der Langlaufwandergruppe Schaffhausen (LWS), der da fährt.

Im Quad durch den Wald

Pagnin steuert einen Quad, ein Allrad-Raupenfahrzeug, das letzte Saison von der LWS in Betrieb genommen wurde. Pagnin, der von Berufs wegen etwas versteht von solchen Fahrzeugen, ist voll des Lobes für diese Neuanschaffung. «Es erstaunt uns immer wieder, was dieses Fahrzeug alles überwinden kann», freut sich der begeisterte Töfffahrer. Als ehemaliger Bergsteiger und Gleitschirmpilot hat er sich auch das nötige Wissen in der Meteorologie angeeignet, was er nun beim ­Anlegen der Loipen gut gebrauchen kann. So ist es ihm möglich abzuwägen, ob es sich lohnt, Spuren zu ziehen, oder ob ein bevorstehender Wetterumbruch die Loipen verflüssigen oder ­zuschütten würde. «Aus Nordwest kommt oft Schnee, der dann auch ­liegen bleibt. Kommt das Wetter aus Südwesten, folgen meist warme Tage und es lohnt sich nicht zu ­spuren.» Er glaubt am Freitag, der Moment sei nun gekommen, die erste Loipe dieser Saison zu spuren, die Wetterlage stimmt, und die Spur könnte über das Wochenende erhalten bleiben.

Warm eingekleidet, mit Helm geschützt, schwingt er sich auf den Quad und steuert in Richtung Wald. Im grellen Licht der Scheinwerfer erstrahlt ein fantastischer, verschneiter Wald unter einem tief schwarzen Himmel. «Es ist ein Privileg, wenn man mit einem derartigen Fahrzeug eine solche Spur hinzaubern kann», meint Ruggero Pagnin.

Schnee stiebt auf Gesicht und Kleidung. «Maximal 20 km/h kann ich fahren. Fahre ich schneller, beginnt der Schlitten zu hüpfen und es entstehen lauter Schneehaufen», erklärt er und fährt unbeirrt Stunde um Stunde, Runde um Runde.

«Einmal hatte ich im Zelgli eine Panne mit dem alten Schneetöff. Da musste ich zum Randenhaus marschieren, um geeignetes Werkzeug zu holen. Das wurde ein ganz langer und müh­samer Abend.» 2005/06 sei ein sehr langer und schneereicher Winter gewesen, erinnert sich der Loipenchef. Schon am 20. November fielen die ersten 30 bis 40  Zentimeter Schnee. Sogar am 4. März 2006 kam noch ein Meter Schnee dazu. «Wir schafften es in ­diesem Winter, während 109 Tagen die Loipen präpariert zu halten. Im Durchschnitt sind es 20 bis 25  Spurtage bei rund 20 Zentimeter Schnee.» Auch an 2015 kann sich Pagnin gut erinnern. ­Damals seien im Kanton unter der Schneelast 5000 massive Bäume zusammengebrochen.

«Wir waren damals sehr viele Stunden mit Motorsägen im Einsatz, um die Pisten frei zu machen», so Pagnin.

Drei Stunden unterwegs

Nach drei Stunden ist die Skatingloipe zum Zelgli gespurt. «Das ist, trotz Servolenkung am Quad, auch für einen Sportler recht anstrengend. Nach einigen Stunden Fahrt bist du richtig geschafft. Zurück im Fahrzeugdepot beim Randenhaus, müssen Quad und Schlitten noch vom Schnee befreit und das Benzin nachgefüllt werden», bemerkt der Loipenverantwortliche.

«Ich genoss jahrelang das Training des LWS. Als Hansruedi Ott vor 15 Jahren den Spurendienst altershalber aufgab, sah ich für mich eine Gelegenheit, dem LWS etwas zurückzugeben und übernahm dieses Amt.» Er unterhalte mit einigen Helfern, vor allem aus der Familie Ott und dem Verein, 15 Kilometer Loipe für klassisches Langlaufen und 9,5 Kilometer Skating-Strecke.

«Alleine brauche ich für das einmalige Spuren sechs bis sieben Stunden, vier Stunden mit Helfern. Nach heftigem Wind oder ab fünf Zentimeter Neuschnee muss nachgespurt werden.

Das ist alles Freiwilligenarbeit», sagt Ruggero Pagnin. Die anfallenden Materialkosten trägt der Verein, der gegenwärtig 600 Mitglieder zählt.

Ein Sport für alle

«Wir bieten im Verein ein sehr gutes Training auf ziemlich hohem Niveau: mit guten regionalen Sportlern, für einen Mitgliederbeitrag von 35 Franken pro Jahr», wirbt Pagnin für den LWS. Neu ist die Langlaufwandergruppe Schaffhausen Mitglied von Schweiz- Mobil: Im Internet sind jetzt Randen-Loipen mit genauer Beschreibung und Höhenprofil zu finden.

«Langlauf ist ein wunderbarer Sport. Du bewegst dich ganz alleine oder in Gruppen draussen in der herrlich verschneiten Natur.»

Und der Loipenverantwortliche Ruggero Pagnin weiter: «Du kannst ihn betreiben vom reinen Genuss bis hin zum Spitzensport, das ist das Schöne daran – das ist auch meine Motivation, diesen Job zu machen.» Und wenn er dann sehe, wie begeisterte Sportler über die Piste sausen, freue ihn das ­jeweils sehr.

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