Tunnel soll Verkehrszunahme kompensieren

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Autor
Saskia Baumgartner

Die Grossüberbauung RhyTech-Quartier in Neuhausen wird zu Mehrverkehr führen. Dieser soll durch den Galgenbucktunnel nicht ins Gewicht fallen. Anwohner sind dennoch beunruhigt.

Die Grafik zeigt die Erschliessung des geplanten RhyTech-Quartiers. Der sogenannte motorisierte Individualverkehr (MIV) soll über die Badische Bahnhofstrasse auf das Areal fahren (violette Linien). Grafik: zvg

Hans Ulrich Stehli macht sich Sorgen. Sein Schuhgeschäft liegt gegenüber dem Neuhauser RhyTech-Areal, auf dem bald ein neues Quartier samt zweier Hochhäuser entstehen soll. Klar, die vorgesehenen 270 Wohnungen bringen in einigen Jahren vielleicht zusätzliche Kunden. Doch Stehli denkt derzeit nur an die Abbruch- und Bauphase. An die Lastwagen, die an seinem Traditionsgeschäft in der Badischen Bahnhofstrasse vorbeifahren werden, für Lärm und mehr Verkehr sorgen.

«Insgesamt gehen wir über die Bauzeit von drei Jahren durchschnittlich von unter 50 Bautransporten pro Tag aus.»

Patrick Senn, Projektleiter, Halter AG

Stehli ist nicht der Einzige, den die Verkehrsfrage rund um die geplante Überbauung umtreibt. Auch die Projektgegner von der Interessengemeinschaft RhyTech ohne Türme (IG R.O.T.), hauptsächlich bestehend aus Nachbarn des Areals, befürchten eine deutliche Verkehrszunahme und Pro­bleme bei der Ein- und Ausfahrt zum Areal. Sind die Bedenken berechtigt?

Abbruchphase: 120 Fahrten

Die Bauherrin Halter AG geht während der achtmonatigen Abbruch- und Aushubphase von rund 20 000 Lastwagenfahrten aus – in das Areal und hinaus. Eine hohe Zahl. Allerdings relativiert sich diese, wenn man die Anzahl Fahrten pro Tag ausrechnet: rund 120. Diese Fahrten müssen tagsüber erfolgen. Gemäss Projektleiter Patrick Senn von Halter sind die Richtlinien des Bundesamtes für Umwelt und die Lärmschutzverordnung einzuhalten. Demnach dürfen lärmintensive Arbeiten wie Abbrüche und Aushübe nur an Werktagen von 7 bis 12 Uhr und von 13 bis 17 Uhr durchgeführt werden.

Bauphase: unter 50 Bautransporte

Nach dem Abbruch folgt die Bauphase. Hier seien die Fahrten vom gewählten Bauablauf der Unternehmer abhängig, sagt Senn und fügt an: «Insgesamt gehen wir über die ganze Bauzeit von drei Jahren durchschnittlich unter 50 Bautransporten pro Tag aus.»

Alle Fahrten auf das Gelände erfolgen dabei über die eher wenig frequentierte Badische Bahnhofstrasse (siehe Grafik), an der sich auch das Schuhgeschäft Stehli befindet. Von dort aus soll der Verkehr in die viel befahrene Kantonsstrasse Klettgauerstrasse münden.

«Die Entlastung durch den Tunnel ist einiges höher als der Mehrverkehr durch die Überbauung.»

Dino Giuliani, Kantonsingenieur

Kantonsingenieur Dino Giuliani sagt, dass der Mehrverkehr während der Abbruch- und Bauphase kein Pro­blem darstelle. Zumal bis zum Baustart wohl der Galgenbucktunnel (geplante Eröffnung Ende 2019) in Betrieb sein werde. Dies aufgrund der angekündigten Rekurse der IG R.O.T. «Die Entlastung durch den Tunnel ist dann einiges höher als der Mehrverkehr durch die Überbauung», sagt Giuliani. Der Kanton rechnet damit, dass der Verkehr mit dem Galgenbucktunnel von durchschnittlich rund 23 000 Fahrzeugen pro Tag im Bereich innere Klettgauerstrasse um circa 10 000 bis 12 000 Fahrzeuge pro Tag sinken wird.

Nach der Fertigstellung

Nach der Fertigstellung des RhyTech-Quartiers geht die Halter AG von einem Mehrverkehr von 1600 Fahrzeugen pro Tag durch neue Anwohner, Angestellte und Kunden aus. Eine deutlich kleinere Zahl als die der erwarteten Entlastung durch den Tunnel.

Roland Müller von der IG R.O.T glaubt hingegen, dass der motorisierte Verkehr nach einer ersten Entlastung wieder zunehmen werde. Ist der Tunnel einst offen und werde den Leuten klar, dass die Klettgauerstrasse besser befahrbar ist, würden wohl wieder mehr Schaffhauser auf das Auto umsteigen, sagt er.

Verkehrstechnisch am heikelsten ist der Feierabendverkehr. Auch hierzu liegen Berechnungen vor. Während der sogenannten Abendspitze werden durch das RhyTech-Quartier künftig 150 zusätzliche Fahrten pro Stunde erzeugt. Bedeutet dies eine deutliche Zunahme des Verkehrs auf der Badischen Bahnhofstrasse, sollen die Auswirkungen auf der Klettgauerstrasse aber kaum spürbar sein. Die Halter AG verweist auf die Tunneleröffnung: Die Fahrzeugfahrten sollen durch den geöffneten Galgenbucktunnel in der Abendspitze von 2100 auf 970 pro Stunde sinken. Damit liessen sich die zusätzlichen 150 vom RhyTech erzeugten Fahrzeuge ohne Probleme kompensieren. Die Bauherrin kommt in der Baueingabe zum Schluss, dass der Verkehrsknoten an der Klettgauerstrasse das künftig erhöhte Verkehrsaufkommen «in jedem Fall problemlos verarbeiten kann».

Schüler und Baustellenverkehr

Als schwierig empfindet die IG R.O.T im Zusammenhang mit dem Verkehr auch das angedachte Schulprovisorium auf dem RhyTech-Areal. Ab Mitte 2018 sollen 140 Neuhauser Schüler für zwei Jahre dort unterrichtet werden. Ein Bürogebäude fungiert als Provisorium während das Kirchacker-Schulhaus erweitert wird. Die Gemeinde Neuhausen betont, dass der Schulweg sicher sein wird. Laut Schulreferent Ruedi Meier erhalten die Schüler einen separaten Eingang. Sollte mit dem Bau begonnen werden, während die Schüler noch auf dem Areal sind, werde zudem eine Absperrung errichtet. Auch die Querung der Badischen Bahnhofstrasse sei unpro­blematisch.

 

 

 

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