Hallauer Schüler lernen bald mit Tablets

Autor
Mark Liebenberg

Schulunterricht mit dem Tablet – das probieren zwei Schulklassen in Hallau ab Februar im Rahmen eines Pilotprojekts aus. In anderen Kantonen hat man schon mehr Erfahrung damit. 

In Schwarzenbach SG arbeiten die Schülerinnen bereits mit Tablets. Bald soll das auch in Hallau geschehen. Bild: Janosch Tröhler

Primarschule Hofacker in Schwarzenbach SG, gleich bei Wil. Das Schulhaus gehört zur Schulgemeinde Jonschwil-Schwarzenbach. Die Kinder der 5./6. Klasse von Franziska Kamm sind an diesem Nachmittag nicht mit Füllfederhalter und Schulheft ausgestattet – nein, sie scharen sich in Zweiergruppen um ihre Tablets. Mit einer Software kreieren sie eine sogenannte «digitale Schnitzeljagd».

Die Schülerinnen und Schüler arbeiten selbstständig, schiessen Fotos und drehen Videos. Blitzschnell hantieren sie mit ihren Geräten. Und sie denken sich Aufgaben für ihre Schnitzeljagd aus. Das ist nicht etwa ein abenteuerlicher Informatikunterricht, sondern hier wird Englisch unterrichtet. 

 

 

Die Aufgaben für die Schnitzeljagd müssen sie auf Englisch formulieren. So wenden sie das Vokabular konkret an und lernen gleichzeitg den Umgang mit digitalen Medien. Ganz auf sich gestellt lässt die Lehrerin Kamm ihre Klasse aber nicht. Sie geht, während die Schüler arbeiten, von Gruppe zu Gruppe. «Die individuelle Betreuung ist nach wie vor entscheidend – ob mit oder ohne Tablet», sagt sie.

Die Schwarzenbacher Schulkinder finden’s lässig: «Ich arbeite gerne mit dem Tablet. Das ist ja etwas, dass man später wieder braucht», erklärt ein Schüler. Eine Klassenkollegin fügt hinzu: «Manchmal muss man aber schon eine Pause machen, wenn man zu lange auf den Bildschirm gestarrt hat.»

50 Tablets für die Schule Hallau

Was in Schwarzenbach SG bereits seit einiger Zeit Realität ist, wird im Kanton Schaffhausen demnächst eingeführt. Im Rahmen eines Pilotversuchs werden zwei Schulklassen im Schulhaus Hallau mit Tablets ausgerüstet und mit Unterstützung der mobilen Geräte unterrichtet werden. Der Erziehungsrat hat das Projekt Anfang Jahr bewilligt. Die Abteilung Schulentwicklung und Aufsicht des Kantons Schaffhausen hat ein entsprechendes Konzept erarbeitet und begleitet die Pilotschule. Das Projekt soll im kommenden Februar als dreijähriger Pilotversuch starten.

Als «Versuchskaninchen» halten die 3./4. Klasse A und die beiden ersten Klassen der Oberstufe hin, sagt Christian Bach, Schulleiter am Schulhaus Hallau: «Wir als Schule konnten uns für dieses Pilotprojekt beim Erziehungsdepartement bewerben. Vor allem die positive Haltung der Lehrpersonen hat uns überzeugt, dies zu tun und so haben wir schliesslich den Zuschlag bekommen. Auch standen die Schulbehörde, der Gemeinderat und ich als Schulleiter hinter dem Projekt.»

 

 

Federführend bei der Umsetzung auf Seite Kanton ist Xavier Turpain: «Wir arbeiten seit August an der Umsetzung des Projektes und bereiten die Lehrpersonen der Schule Hallau auf den Pilotversuch vor.» In Hallau kommt ein 1:1 Setting zum Zug. Dies bedeutet, dass jeder Schüler und jede Schülerin ein persönliches Gerät zur Verfügung gestellt erhält, also rund 50 Stück. In einer späteren Phase könnte man aber mit dem School Manager auch mehrere Benutzer pro Gerät zulassen, sagt Turpain: «Wir haben uns jetzt für dieses Modell entschieden, weil wir uns davon den grössten Erkenntnisgewinn versprechen, auch im Hinblick auf die Einführung des Moduls Medien und Informatik im Lehrplan 21. Diese Wahl haben wir sorgfältig evaluiert.»

Wie konkret die Tablets im Unterricht eingesetzt werden, ist Teil der Vorbereitungen, die jetzt unter Hochdruck laufen, sagt Turpain. Über den Fortschritt informiert die Website des Projekts.

Schulleiter Bach: «Wir wollen mit diesem Projekt nicht die Geräte, sondern primär den Unterricht kombiniert mit einem optimierten Mobile-Device-Management sowie einem Learn-Management-System ins Zentrum stellen und erhoffen uns einen erkennbaren Mehrwert.» Man werde dazu herkömmliche Unterrichtssequenzen überdenken und versuchen, diese möglichst durch den Mehrwert der eingesetzten Technologie neu zu definieren.

Dazu wird die Schule Hallau im Zusammenhang mit dem Versuch vermehrt auf selbstorganisiertes Lernen setzen. In folgenden Tätigkeitsbereichen sollen die Tablets laut Projekt-Website verwendet werden: Gestalten, lernen und üben, sich informieren und recherchieren, beim kommunizieren miteinander, partizipieren, publizieren sowie beim Organisieren des Lernens.

Zweiter grosser Bereich ist das Lernen über Medien (Medienbildung). Zum Einsatz kommt unter anderem der Apple School Manager. Damit hat die Schule Hallau Zugriff auf eine Vielzahl von Lern-Apps. Die Benutzerverwaltung findet via School Manager statt. Die Daten werden nicht in einem Server gespeichert, sondern in einer Daten-Cloud. Für die Lancierung des Tablet-Pilots muss im Schulhaus die Bandbreite des Internetzuganges auf 40 Mbit/s erhöht werden.

Die Geräte sind Arbeitsgeräte der Schülerinnen und Schüler. Sie sollen entsprechend konfiguriert und verwaltet werden. «Die Geräte sind persönlich und können von den Schülerinnen und Schülerinnen entsprechend genutzt werden. Ob sie sie auch mit nach Hause nehmen können ist noch offen. Die Nutzung wird in einer Charta sinnvoll geregelt», so Bach.

 

 

Nicht nur Schulleitung und Lehrpersonen mussten indes von diesem im Kanton Schaffhausen bislang einzigartigen Experiment überzeugt werden, auch die Eltern und Schulkinder musste man mit an Bord haben. «Die Schülerinnen und Schüler waren nach Bekanntgabe, dass sie Tablets für den Unterricht und das Lernen bekommen, begeistert und auch die Eltern standen nach der Bekanntgabe des Projektes diesem positiv gegenüber», sagt Bach.

In der Charta wird auch geregelt, dass die Geräte Arbeits- und keine Spielgeräte sind. Die Schulkinder dürfen keine Apps aus dem Internet herunterladen. «Erfahrungen anderer Tablet-Schulen zeigen, dass die Schüler mit dieser Bedingung sehr gut umgehen können». sagt Bach.

«Viele Fragen können wir auch erst beantworten, wenn das Projekt schon einige Zeit läuft oder beendet ist.»

Xavier Turpain, Verantwortlicher Tablet-Projekt Hallau

Noch muss man sich für den Anschauungsunterricht, wie eine Tabletklasse konkret funktioniert, an Schulen in anderen Kantonen begeben, wie etwa nach Schwarzenbach. Turpain sagt, hinter den Kulissen laufen die Vorbereitungen, damit man in Hallau nach den Sportferien loslegen könne. «Viele Fragen können wir auch erst beantworten, wenn das Projekt schon einige Zeit läuft oder beendet ist», sagt er. Es sei falsch, schon jetzt mit einer festgelegten Sichtweise an den Versuch heranzugehen. «Im Zentrum stehen die Lehrpersonen und ihre Schülerinnen und Schüler, die wir unterstützen und begleiten und von denen wir wissen, dass sie das Projekt mit hohem Einsatz durchführen werden.»

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