Viele Wildunfälle im Kanton Schaffhausen

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Autor
Tito Valchera

Zu den Top-Vier-Kantonen zählt Schaffhausen im Hinblick auf die Wahrscheinlichkeit von Wildunfällen. Laut einer Studie der AXA Winterthur gab es im Jahr 2016 je tausend Versicherte fünf Zusammenstösse zwischen Autos und Wildtieren.

Wildunfälle kommen immer wieder vor – sowohl an Waldrändern als auch im überbauten Gebiet. Bild: Selwyn Hoffmann

Im Herbst werden die Tage kürzer. In den dunklen Abend- und Morgenstunden sind viele Wildtiere unterwegs. Autofahrer sollten dann besonders vorsichtig sein. Jedes Jahr kommen im Kanton Schaffhausen nämlich mehr als 400 Wildtiere durch Unfälle im Strassenverkehr ums Leben. Laut einer Studie der Autoversicherung AXA Winterthur gehört Schaffhausen zu den Kantonen mit der grössten Wahrscheinlichkeit, mit einem Tier zu kollidieren. Die Studie beruht auf schweizweit 3000 bei der Autoversicherung gemeldeten Wildschäden. Mit fünf Wildunfällen pro tausend Versicherten folgt Schaffhausen dicht hinter den Spitzenreitern Jura, Freiburg und Graubünden, in denen es sechs bis sieben Wildunfälle gibt. An­dreas Vögeli, Jagd- und Fischereiverwalter des Kantons Schaffhausen, ist erstaunt über die AXA-Studie: «Es wurde bis anhin meines Wissens noch nie festgestellt, dass es im Kanton Schaffhausen im Vergleich zu anderen Kantonen eine höhere Anzahl Wildunfälle geben soll.»

Für die Wildtiere meist tödlich

Zu den möglichen Faktoren, die Zusammenstösse begünstigen, zählt die AXA ländliche Regionen mit entsprechenden Landstrassen und Waldabschnitten, aber auch den hohen Wild­bestand dazu. Genaue Gründe für Wildunfälle sind aber schwer zu benennen. Der Kanton Schaffhausen hat jedoch einen hohen Anteil Waldfläche. Patrick Caprez, Mediensprecher der Schaffhauser Polizei, sagt: «Es ist wichtig, bei Strecken mit Wildunfallgefahr und entsprechender Beschilderung sein Fahrverhalten anzupassen, vor allem wenn die Tage kürzer werden beziehungsweise die Dämmerung in den Arbeitsverkehr fällt.»

Zusammenstösse zwischen Autos und Wildtieren sind meist heftig und enden für die Tiere oftmals tödlich. «Im besten Fall kommen die Insassen des Personenwagens mit dem Schrecken davon – im schlimmsten Fall wird das Tier auf die Motorhaube gehoben und durchbricht die Windschutzscheibe», so die AXA-Unfallforscherin Bettina Zahnd.

Auch in überbautem Gebiet

Bei Wildunfällen rückt im Kanton Schaffhausen ein Jäger, meist der Jagdaufseher, aus. Er nimmt vor Ort den Unfall auf, kümmert sich um das Wild, räumt die Unfallstelle und bestätigt für die Autoversicherung, dass es sich um einen Wildunfall handelt. Silvio Lorenzetti, ehemaliger Jagdaufseher und Präsident Verein Jagd Schaffhausen, wird auch für solche Einsätze aufge­boten. «In der letzten Woche bin ich per Zufall zweimal ausgerückt – einmal morgens früh und einmal abends spät», sagt er. Bei einer Ortseinfahrt in Stein am Rhein wurde ein Marder ange­fahren, auf der Landstrasse zwischen ­Hemishofen und Stein am Rhein ein Fuchs. Beim angefahrenen Fuchs war es eine besondere Situation: «Das Wildtier schaute herum, lag verletzt auf der Strasse, und die Autos fuhren um es herum weiter», so Lorenzetti. Er habe das Tier mit einem Revolverschuss erlösen und dabei aufpassen müssen, niemanden zu gefährden. Wildtiere könne man nicht zu einem Tierarzt bringen, das würde sie zu sehr stressen. Man sagt, dass Wildunfälle oft am Waldrand passieren würden, das sei aber hier nicht der Fall gewesen. «Die Gefahr ist im überbauten Gebiet für Füchse und Marder fast höher», sagt Lorenzetti.

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