Schaffhausen–Los Angeles–Schaffhausen

Autor
Tito Valchera

Heimweh hat die Schaffhauserin Franziska Leumann-­Vogel dazu gebracht, nach 24 Jahren ihre Zelte in den USA abzubrechen und mit ihrer Familie nach Schaffhausen zurückzukehren.

Gemütliches Beisammensein zu Hause in ihrer Buchthaler Wohnung: Familie Leumann hat sich nach einem Jahr in Schaffhausen gut eingelebt (Dylan, Sarah, Franziska und Ivan, v. l.). Bild: Selwyn Hoffmann

Franziska Leumann-Vogel ist in Schaffhausen geboren und aufgewachsen. Als 19-Jährige zog sie für ein Jahr in die USA, nach San Francisco. Sie arbeitete dort als Au-pair und ging ins College. Anschliessend kehrte sie für drei Monate wieder in die Schweiz zurück. Sie fühlte sich hier aber nicht mehr wohl. «Ich wollte auf jeden Fall wieder in die USA, so nahm ich eine weitere Stelle als Au-pair in Los Angeles an», erzählt sie. Sie genoss es, wieder in den USA zu sein, unternahm viel in der Freizeit: an den Strand gehen, die Stadt erkunden und Poolpartys besuchen.

«Es war Liebe auf den ersten Blick: Nach vier Wochen waren wir ein Paar, und neun Monate später haben wir geheiratet.»

An solch einer Feier im Schweizer Club in Los Angeles lernte sie ihren künftigen Mann Ivan kennen. Er ist schweizerisch-amerikanischer Doppelbürger. Seine Eltern sind, als er sechs Jahre alt war, von Baden nach Kalifornien gezogen. «Bei unserer Begegnung am Fest war es Liebe auf den ersten Blick. Nach vier Wochen waren wir ein Paar, und neun Monate später haben wir geheiratet», erzählt sie. Zivil 1998 in Los Angeles, ein Jahr später kirchlich im Schloss Laufen.

Grosses Haus und zwei Hunde

In den USA hat sich das Ehepaar eine Existenz aufgebaut und eine Familie gegründet. So haben Franziska (44) und ihr Mann Ivan (44) eine Tochter, Sarah (13), und einen Sohn, Dylan (16). Die Familie wohnte in Glendora, einer Kleinstadt 40 Minuten östlich von Los Angeles. «Es war sehr schön dort. Wir hatten ein grosses Haus, sympathische Nachbarn und beide eine gute Arbeit», sagt Familienvater Ivan Leumann. Er war Produktmanager, sie zuletzt Kleinkinderzieherin.

Doch während der zwei Jahrzehnte in den USA hat Franziska das Heimweh geplagt. Sie hat stets ihre Beziehung und ihre Kontakte zu Schaffhausen aufrechterhalten. «Ich habe hier meine ganze Verwandtschaft und meine Freunde», sagt sie. Trotz regelmässigem Kontakt via Skype hätten die räumliche Distanz und die grosse Zeitverschiebung die Beziehungspflege kompliziert gestaltet.

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Vor eineinhalb Jahren haben sich Franziska und Ivan grundsätzliche Gedanken über die Zukunft ihrer Kinder gemacht. Mit dem Entscheid zurückzukehren: «Schaffhausen ist ein guter Ort, um unseren Kindern eine qualitativ hochstehende Berufsbildung zu ermöglichen», sagt Mutter Franziska. In der Schweiz hätten diese mehr Chancen, die Umgebung sei sicherer und das Gesundheitssystem besser als in den USA. Für die Eltern ein wichtiger Punkt, denn der ältere Sohn hat eine Krankheit. Er muss alle drei Monate sein Blut untersuchen lassen.

«Wir wohnten noch zwei ­Wochen in einem Hotel aus acht Koffern heraus – erst dann flogen wir in die Schweiz.»

So hat Franziska mehrmals gegenüber ihrem Mann den Wunsch geäussert, in die Schweiz zurückkehren. Ihr Mann stimmte seiner Frau anfänglich jeweils zu. «Dann aber habe ich dreimal kalte Füsse bekommen und das Ganze kurzfristig abgeblasen», gibt er zu. Beim vierten Mal aber nicht. So wurde die Rückkehr nach 24 Jahren in Amerika Realität: Die Eltern engagierten einen Makler für den Hausverkauf, organisierten einen Garagenflohmarkt für den gesamten Hausrat, verkauften ihre Autos und gaben ihre beiden Hunde an Freunde ab. Doch ihr Haus liess sich viel schneller verkaufen als erwartet, und die Familie stand plötzlich ohne Bleibe da. «Wir wohnten noch zwei ­Wochen in einem Hotel aus acht Koffern heraus – erst dann flogen wir in die Schweiz», sagt Vater Ivan.

Dies ist nun über ein Jahr her. Die Familie hat sich in ihrer Buchthaler Wohnung in der Stadt mittlerweile gut eingelebt. Beide Eltern arbeiten in amerikanischen Firmen, Ivan in Winterthur und Franziska in Schaffhausen. «Wir sind hier happy und lieben Schaffhausen», sagen die Eltern. Doch sei die Umstellung zu Beginn nicht einfach gewesen: «Das Leben hier ist ganz anders», sind sie sich einig. So schätzt die Familie die Vorzüge der Schweiz wie beispielsweise die saubere Luft, findet aber auch, dass das Leben hier teuer ist. «Zum Glück hatten wir zu Beginn das Geld aus dem Hausverkauf, denn hier müssen wir sparen», sagt Mutter Franziska.

Mit dem Leben am neuen Wohnort musste sich die Familie auch an die Schweizer Mentalität gewöhnen. «Die Amerikaner sind offener als die Schweizer», sagt Familienvater Ivan. Doch er lässt sich nicht davon beeinflussen: «Ich grüsse weiterhin freundlich die Leute, denen ich begegne, so, wie ich es auch in den USA getan habe.»

Fremdsprachen und Freizeit

Gewisse Integrationsprobleme, vor allem sprachliche, haben ihre Kinder. Beide gehen in die öffentliche Schule. Sarah lernt in der 6. Klasse gleichzeitig Französisch, Deutsch und Schweizerdeutsch. Sie werde gut von den Lehrern unterstützt, aber es sei schon anspruchsvoll, findet ihre Mutter. Dylan hingegen geht in eine Integrationsklasse und lernt Deutsch. Er möchte nächstes Jahr eine Ausbildung als ­Logistiker beginnen.

Im Gegensatz zu Glendora können sich die beiden Kinder in Schaffhausen ohne Bedenken frei bewegen. «Dort mussten wir die Kinder jeweils zur Schule bringen und sie wieder abholen», sagt Ivan. Hier hingegen würden sie selbständig zur Schule und zu ihren Freizeitaktivitäten gehen. «Sarah nimmt für das Fussballtraining bei der Spielvi den Bus hin und zurück», sagt ihre Mutter. Sarah ist dort Torhüterin.

«Wir waren drüben jedes Wochenende am Meer in Malibu.»

Die beiden Teenager können dank Facebook, E-Mail und anderen sozialen Medien mit ihren Freunden, der Familie und ehemaligen Klassenkameraden aus den USA in Kontakt bleiben. Auch an die engen Wohnverhältnisse in ihrer Viereinhalb-Zimmer-Wohnung mussten sie sich zuerst gewöhnen. In den USA lebten sie in einem grossen Haus mit Garten. «Daran gewöhnt man sich, auch weil in der nahen Umgebung die Natur sehr schön ist und die Kinder draussen Velo fahren können», sagt Ivan.

Am meisten fehlt der Familie aber das Meer. «Wir waren drüben jedes Wochenende am Meer in Malibu», erinnert sich Franziska. Sie sehnen sich auch nach dem amerikanischen Essen. Das Schweizer Essen sei zwar gesünder, aber: «Der In-N-Out-Burger ist der beste», sagt Vater Ivan. Die Kinder vermissen eher bekannte Spezialitäten aus ihren Lieblingsrestaurants wie Spicy Chicken Wings. Sohn Dylan hat sich auch kulinarisch integriert, denn er isst sehr gerne St. Galler Bratwurst.

Ihre Zukunft sieht die Familie in der Schweiz. Trotzdem freuen sie sich alle auf den ersten Urlaub in den USA nach dem Umzug in die Schweiz – wann, steht noch nicht fest, im Gegensatz zum Essen: Burger und Chicken Wings sind gesetzt.

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