«Die Akkreditierung ist ein Risiko»

Publiziert am
Autor
Daniel Jung

Schaffhausen auf dem Weg zum Hochschulstandort: Stadt und Kanton beobachten die Entwicklung der neuen Hochschule gespannt.

Diese Woche wurde bekannt, dass die Hochschule Schaffhausen ihren Betrieb bereits aufgenommen hat: Im Frühlingssemester hat der erste Studiengang zum Master of Business Administration (MBA) mit elf Studenten begonnen. Ein zweiter MBA-Kurs startet in den nächsten Wochen. Die erste Präsenzphase des neuen Semesters in den Räumlichkeiten an der Rheinstrasse 10 in Schaffhausen ist für den 13. und 14. Oktober geplant (SN vom Dienstag).

«Die Nähe zu einer Hochschule ist ein Inkubator für wirtschaftliche Tätigkeiten.»

Peter Neukomm, Schaffhauser Stadtpräsident

«Der Start der Hochschule ist für die Stadt wichtig», sagt Stadtpräsident Peter Neukomm. Die Stadt verfolge die Entwicklung genau. «Wir hoffen, dass die Hochschule Erfolg haben wird.» Sie stehe, insbesondere im Hinblick auf die angestrebte Akkreditierung, vor grossen Herausforderungen. «Der Schweizer Markt ist keineswegs einfach», ist sich Neukomm bewusst. Die Ansiedlung einer Hochschule ist ein wichtiges Ziel für die Stadt und den Kanton Schaffhausen. «Die Nähe zu einer Hochschule ist ein Inkubator für wirtschaftliche Tätigkeiten», sagt Neukomm. Auch Regierungsrat Ernst Landolt begrüsst den Start der privaten Bildungsinstitution am Standort Schaffhausen.

Unterschiedliche Ausgangslagen

Bei den Verhandlungen mit der Hochschule im letzten Jahr wurde die Frage der finanziellen Unterstützung nicht mit dem erhofften Standort im Kammgarn-Westflügel verknüpft. «Der Kanton wollte das nicht, und wir mussten das respektieren», sagt Neukomm. Die Frage sei zwischen Stadt und Kanton intensiv diskutiert worden. Der Kanton habe letztlich aber eine andere Ausgangslage gehabt und die Situation anders beurteilt, so Neukomm.

Gemäss Regierungsrat Landolt waren es zwei Gründe, wieso der Kanton die Kammgarn-Frage nicht mit der Leistungsvereinbarung verknüpft hat. Einerseits habe sich im letzten Jahr abgezeichnet, dass die Geschwindigkeiten unterschiedlich sind: Während die Hochschule bald starten wollte, war klar, dass die Stadt für die Umnutzung des Kammgarn-Westflügels noch einige Zeit benötigt. Andererseits habe sich schon während der Verhandlungen der Leistungsvereinbarung angekündigt, dass sich Stadt und Hochschule über den Preis und die Verkaufsmodalitäten zweier Stockwerke des Kammgarn-Westflügels nicht einig werden. «Unsere Einschätzung war, dass der Deal wahrscheinlich nicht zustande kommt», sagt Landolt. Die Kantonsregierung hätte eine Lösung in der Kammgarn zwar begrüsst, zwingend sei dies für sie aber nicht gewesen.

Mittelfristig würde das Hochschulnetzwerk IUN World in Schaffhausen gerne eine eigene Immobilie erwerben, um sich hier weiterzuentwickeln, wie Geschäftsführer Christian Werner am Montag erklärte. Neukomm sieht aktuell keine Liegenschaft der Stadt, die für die Hochschule speziell geeignet wäre. Landolt ist dagegen überzeugt, dass der Kanton hier Optionen anzubieten habe. «Es ist aber noch zu früh, um konkrete Objekte zu nennen», sagt der Volkswirtschaftsdirektor.

Für die Räumlichkeiten an der Rheinstrasse 10 bezahlt die Hochschule derzeit eine «marktkonforme Miete», wie Daniel Sattler, Departementssekretär des Volkswirtschaftsdepartements erklärt. Der Kanton verzichte also nicht auf Einnahmen. Die Räumlichkeiten waren zuletzt leer gestanden.

3 Millionen von Kanton und Bund

Im letzten Herbst hatte der Kanton Schaffhausen mit der Hochschule Schaffhausen AG eine Leistungsvereinbarung unterzeichnet, die nun am 1. Oktober in Kraft tritt. Insgesamt wurden der Hochschule Beiträge von 3 Millionen Franken in Aussicht gestellt.

Für den Prozess der Akkreditierung als anerkannte Hochschule und den Aufbau der Strukturen sind 1,5 Millionen Franken vorgesehen (während maximal fünf Jahren je 300 000 Franken pro Jahr). Nach der erfolgreichen Akkreditierung startet eine zweite Phase. Dann unterstützt der Kanton die Entwicklung technisch-naturwissenschaftlicher Studiengänge, welche die Hochschule gemeinsam mit der Schaffhauser Wirtschaft ausarbeitet. Für die Entwicklung dieser Kurse kann die Hochschule 500 000 Franken erhalten, für die Durchführung nochmals 1 Million Franken. «Alle Zahlungen werden erst im Nachhinein ausgeführt, wenn die Hochschule die entsprechenden Leistungen erbracht hat», sagt Sattler. In der Leistungsvereinbarung wurde auch klar geregelt, wie die Hochschule ihre Leistungen nachweisen muss. Erst dann zahlt der Kanton seine Fördergelder aus. Erste Beiträge wären im Oktober 2018 fällig. Von den Geldern werden 2,5 Millionen dem kantonalen Generationenfonds entnommen, 500 000 Franken stammen aus den Mitteln der neuen Regionalpolitik des Bundes.

Sattler betont, dass die Leistungsvereinbarung für den Kanton mit vielen Sicherheiten ausgestaltet wurde. Die Hürden etwa für die Anerkennungen seien hoch. «Die Akkreditierung ist ein Risiko, das aber die Hochschule trägt», erklärt Sattler. Im Verhältnis zu den Bildungskosten des Kantons seien die 3 Millionen Franken ein relativ bescheidener Betrag, so Sattler. «Wenn es gelingen würde, so eine akkreditierte Hochschule im Kanton zu haben, dann hat man mit wenig Geld sehr viel erreicht», ist er überzeugt.

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