Dramatische Tage für den «Güterhof»

Publiziert am
Autor
Daniel Jung

Das Obergericht hat ein Konkursverfahren gegen die Prager Gastronomie AG aufgeschoben. Damit konnte eine Schliessung des «Güterhofs» abgewendet werden.

Weiterhin geöffnet: Der «Güterhof» in Schaffhausen durchlief zuletzt stürmische Zeiten. Bild: Michael Kessler

Wer gestern Vormittag im Handelsregister nach der Firma Prager Gastronomie AG suchte, stellte fest, dass sich die Firma aktuell in Liquidation befindet. «Mit Verfügung vom 22. August hat das Kantonsgericht Schaffhausen über die Gesellschaft den Konkurs eröffnet», hiess es dort. Ist die Firma, die in Schaffhausen den «Güterhof» betreibt und vor Kurzem auch den Betrieb des Veranstaltungsrestaurants im Park Casino übernommen hat, am Ende?

Nein. Bereits am Montag hatte sich auch das Schaffhauser Obergericht mit dem Fortbestand der Firma befasst. «Die Firma steht noch aufrecht», sagte Annette Dolge, Präsidentin des Obergerichts. Das Obergericht hat den Konkurs bis auf Weiteres aufgeschoben und eine Fristerstreckung zur Lösung der finanziellen Probleme gewährt. Auch im Handelsregister werde der Zusatz «in Liquidation» wieder entfernt. «Der Betrieb der Firma kann normal weiterlaufen», sagte Dolge.

Arbeiten unter Hochdruck

In den letzten Tagen hatten die Verantwortlichen der Prager Gastronomie, die seit etwa einem Jahr Teil der von Simon Adam gegründeten «Essen & Kunst»-Gruppe ist, rund um die Uhr gearbeitet, um das Konkursverfahren abzuwenden. «Wir haben das ganze Wochenende durchgearbeitet», sagt Oliver Malicdem, Verwaltungsrat und Mitglied der Geschäftsleitung von «Essen & Kunst». Am Montagmorgen haben die Verantwortlichen dann ein Dossier über die finanzielle Situation der Prager Gastronomie AG beim Obergericht eingereicht. Zu diesen Unterlagen gehörte eine Analyse der Situation, ein Budget und ein Sanierungsplan für die Firma. «Für uns ist der Entscheid eine sehr positive Nachricht», sagte Malicdem. Rund 50 Arbeitsplätze seien so gerettet worden.

Verzicht auf Forderungen

An den Anstrengungen, den Konkurs von der Prager Gastronomie AG abzuwenden, war in den letzten Tagen auch Verena Prager beteiligt. Die Gastronomin hatte die Firma aufgebaut und im letzten Herbst an Simon Adam verkauft. «Es waren dramatische Tage», sagte Prager. Weil die Prager Gastronomie AG zuletzt überschuldet war, mussten mehrere Parteien auf Forderungen verzichten, um einen Fortbestand zu ermöglichen – darunter auch Prager selbst. «Es war ein Zusammenspiel all jener, die an den ‹Güterhof› glauben», sagt sie. Es habe diese gute Zusammenarbeit in letzter Minute gebraucht, um eine Schliessung des «Güterhofs» zu verhindern.

«Der ‹Güterhof› und seine Mitarbeiter liegen mir weiterhin am Herzen.»

Verena Prager
, Frühere Leiterin der Prager Gastronomie AG

«Der ‹Güterhof› und seine Mitarbeiter liegen mir weiterhin am Herzen», sagt Prager. Für die Zukunft des Betriebs sei es essenziell, dass eine Schliessung verhindert werden konnte. «Es gibt nichts Schlimmeres für einen Gastronomiebetrieb dieser Grösse als eine Schliessung», sagt Prager. Seien die Türen eines Restaurants geschlossen, so könne der Betrieb Vertrauen, Buchungen, Reputation, Kunden oder Lieferanten verlieren. Aktuell im Raum steht die Möglichkeit, dass der «Güterhof» verkauft werden könnte. Aber auch für dieses Szenario sei es wichtig, dass das Restaurant nicht geschlossen wurde, so Prager.

Gestern Nachmittag verschickte Malicdem im Namen der Prager Gastronomie AG eine Medienmitteilung. Darin heisst es: «Die Konkurseröffnung ist das Resultat der Misswirtschaft in den Jahren 2016 und 2017 und der somit entstandenen Überschuldung des früheren Besitzers der Prager Gastronomie AG, der die Firma 2016 zu 100 Prozent übernommen hatte.» Mit dem früheren Besitzer ist der Gastrounternehmer Simon Adam gemeint (siehe Kasten). Die neuen Besitzer der Prager Gastronomie AG legten dagegen Wert auf die Feststellung, dass gegen sie weder Betreibungen noch Pfändungen erwirkt wurden und dass sie mit allen Lieferanten und Partnern einvernehmliche Vereinbarungen zur Begleichung der offenen Schulden abgeschlossen hätten. Nun könne mit der Sanierung fortgefahren werden.

Am 11. August hatte die Stadt Schaffhausen mitgeteilt, dass sie den Betrieb des Veranstaltungsrestaurants im Park Casino neu an die Prager Gastronomie AG vergibt. Zuvor war Simon Adam Pächter gewesen. Gestern erklärte Finanzreferent Daniel Preisig, dass die Stadt als Verpächterin mit der Geschäftsleitung der Prager Gastronomie AG in Kontakt stehe. «Wir wurden über das Vorgehen orientiert», so Preisig. Die Stadt werde regelmässig über den aktuellen Stand informiert und verfolge die weitere Entwicklung. Der Betrieb im Park Casino laufe geregelt weiter.

Überraschender Rücktritt

Im Juni war Simon Adam überraschend von allen seinen Funktionen in der von ihm gegründeten «Essen & Kunst»-Gruppe zurückgetreten. Seither wurden zwei Betriebe der Gruppe an lokale Pächter übergeben: Neben der Beckenburg in Schaffhausen, die seit Anfang August unabhängig fortgeführt wird (SN vom 9. August), wurde auch der Gasthof Bären in Langnau an zwei Pächter aus dem Emmental übergeben.

Neben dem «Güterhof» und dem Park Casino gehören zwei Betriebe in Winterthur weiterhin zur «Essen & Kunst»-Gruppe: Die Restaurants Strauss und Zum Löwen. «Wir sind seit zwei Monaten mit Aufräumarbeiten beschäftigt», sagt Malicdem. Die Gruppe unternehme alles Notwendige, um den weiteren Betrieb der vier Lokale zu gewähren. «Wir haben bereits mehrere Massnahmen eingeleitet», sagt Malicdem. Noch sei die Sanierungsphase aber nicht abgeschlossen.

Simon Adam neu in «Adams Restaurant» in der Stadt Zürich tätig

Seit Kurzem ist Simon Adam selbst wieder in einem Gastrobetrieb tätig. Er arbeitet neu in Adams Restaurant an der Rebgasse 8 in der Stadt Zürich. Der Betrieb in der Nähe des Stauf­fa­chers hiess zuvor Prime Steakhouse. Nach dem Mittagsservice konnten die SN gestern ein kurzes Gespräch mit Adam führen.

«Ich bin hier für unsere Gäste am Kochen», sagte der 30-Jährige. Er habe das Restaurant nicht gepachtet und sei auch nicht Leiter des Betriebs. «Das Restaurant ist zwar nach mir benannt, gehört mir aber nicht», so Adam. Er sei zu 100 Prozent im Lokal engagiert.

Nach vorne blicken

Es gehe ihm derzeit gut, sagte Adam. Natürlich seien die Ereignisse der letzten Monate aber nicht spurlos an ihm vorbeigegangen. «Ich muss weitermachen», sagte er. Es gebe viele Leute, die ihn unterstützen. Deshalb wolle er nun nach vorne blicken. «Ich bin hier und mache mein Ding weiter.»

Im neuen Betrieb hat Adam eine andere Rolle als zuvor in der «Essen & Kunst»-Gruppe, wo er als Geschäftsführer viel Verantwortung trug. «Ich musste mich neu fangen und eine neue Aufgabe finden», sagt Adam zu seiner neuen Stelle.

Den Verantwortlichen der «Essen & Kunst»-Gruppe wünsche er alles Gute. Zu den finanziellen Vorgängen und zu ausstehenden Forderungen könne er keine Angaben machen. «In vielen Fragen gibt es zwei Meinungen», gibt Adam zu bedenken.

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