Erleichterung nach Festnahme des Täters

Publiziert am
Autor
Daniel Jung

Zwei Armbrüste hatte der Motorsägenangreifer bei seiner Verhaftung mit dabei. Der Mann ist nun im kantonalen Gefängnis und wurde gestern erstmals befragt.

Die Kantonspolizei Zürich hat den Motorsägenangreifer Franz W. am Dienstagabend um 18.50 Uhr an der Gotthardstrasse in Thalwil festgenommen. Der Beschuldigte war alleine und zu Fuss unterwegs. Die Festnahme erfolgte ohne Gegenwehr. «Er verhielt sich anständig und kooperativ», sagte der Erste Staatsanwalt Peter Sticher gestern vor den Medien im BBZ-Schulhaus. «Ich bin froh, dass die Festnahme so reibungslos abgelaufen ist.» Wie der Mann ins rund 60 Kilometer entfernte Thalwil gelangte und wieso er den Ort am Zürichsee aufsuchte, war gestern noch unklar.

Armbrüste und spitze Holzstücke

Bei seiner Festnahme war Franz W. bewaffnet. In einem Plastiksack führte er zwei geladene Armbrüste mit eingesetzten Pfeilen mit sich. «Es handelt sich dabei um Pistolen-Armbrüste, die etwas kleiner sind», sagte Ravi Landolt, Einsatzleiter der Schaffhauser Polizei. Die Armbrüste werden nun spurentechnisch untersucht, ebenso wie zwei angespitzte Holzstücke, die der Mann bei sich trug.

Die Motorsäge hatte der Beschuldigte bei seiner Verhaftung nicht dabei. Die Tatwaffe vom Montag konnte bis zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sichergestellt werden. Sie wird weiterhin gesucht.

Meldungen aus der Bevölkerung

Es waren Hinweise aus der Bevölkerung, die zur Festnahme des Beschuldigten führten. Gemäss Sticher waren es gleich mehrere Personen, die Franz W. in Thalwil identifiziert hatten. Wie der «Blick» berichtete, war darunter Liman Kabashi, Chef der Pizzeria Pipponi. Etwa um 17.30 Uhr am Dienstag habe Kabashi gesehen, wie der Täter an der Pizzeria vorbei ging. Der Wirt erkannte das Gesicht des Mannes und rief die Polizei an.

Die Staatsanwaltschaft und die Schaffhauser Polizei hatten sich bereits am Montag zu einer Öffentlichkeitsfahndung entschieden – und gleichzeitig vor der Gefährlichkeit des bewaffneten Täters gewarnt. Im Verlauf des Dienstags führten mehrere Hinweise zu Polizeiaktionen in der Region Schaffhausen, dem Zürcher Weinland und der Region Diessenhofen (siehe Karte). «Neben der Spur in Thalwil sind andere Teams parallel auch weiteren Hinweisen nachgegangen», sagte Ravi Landolt.

Untersuchung des Mannes

Die Staatsanwaltschaft hatte nach der Festnahme angeordnet, dass Franz W. durch eine Rechtsmedizinerin des Instituts für Rechtsmedizin des Kantons Zürich (IRMZ) untersucht wird. Zudem wurde zur Spurensicherung ein Experte des Forensischen Instituts Zürich und das Kommissariat Kriminaltechnik der Schaffhauser Polizei aufgeboten. «Der Beschuldigte wurde körperlich untersucht, um festzustellen, ob er selbst Verletzungen von der Motorsäge oder Kampfspuren aufweist», sagte Sticher. Es werde auch geprüft, ob der Mann etwa DNA-Spuren der Opfer unter den Fingernägeln habe.

«Derzeit ist noch unklar, ob der Mann geständig sein wird», sagte Sticher an der Pressekonferenz. Deshalb sei es zentral, dass alle Beweise fachgerecht dokumentiert werden.

Was nun passiert

Franz W. war am Dienstag kurz vor Mitternacht durch die Schaffhauser Polizei in das Kantonale Gefängnis Schaffhausen überführt worden. Er wurde gestern der zuständigen Schaffhauser Staatsanwältin Monika Jehli zugeführt. Sie hat ihm in Anwesenheit des Pikettanwaltes die Festnahme eröffnet. Der Mann wird nun in Untersuchungshaft genommen, was aber vom Zwangsmassnahmengericht noch formell bestätigt werden muss. Auch eine erste kurze Befragung wurde gestern bereits durchgeführt. Über die Erkenntnisse daraus machten die Behörden aber keine Angaben.

«Neben der Spur in Thalwil sind andere Teams parallel auch weiteren Hinweisen nachgegangen.»

Ravi Landolt, Einsatzleiter der Schaffhauser Polizei

«Bisher ist das Motiv noch unklar», sagte Sticher vor den Medien. Auch zur psychischen Verfassung des Mannes konnte der Staatsanwalt noch keine Aussagen machen. «Das wird jetzt à fond abgeklärt», sagte er. Der Staatsanwalt rechnet damit, dass im Verfahren auch ein psychiatrisches Gutachten erstellt wird.

Was dem Mann droht

Die Staatsanwaltschaft des Kantons Schaffhausen hat gegen den Beschuldigten ein Strafverfahren wegen mehrfacher strafbarer Handlungen gegen Leib und Leben eröffnet. Welcher Straftatbestand letztlich angeklagt wird, steht aktuell noch nicht fest. Im Raum stehen verschiedene juristische Qualifikationen – von Körperverletzung bis hin zu versuchtem Mord. Franz W. droht damit eine mehrjährige Haftstrafe bis hin zu lebenslänglich. Sticher wies jedoch darauf hin, dass für den Beschuldigten die Unschuldsvermutung gilt.

Der Mann hat zwei Vorstrafen wegen Verstössen gegen das Waffengesetz. In Schaffhausen war er vor rund einem Monat selber aktiv in Kontakt mit der Polizei getreten: Er hatte den Diebstahl eines Reisekoffers bei der Polizei gemeldet, wie Einsatzleiter Landolt erwähnte. Dabei war der Mann jedoch nicht speziell aufgefallen.

Grosse Erleichterung

«Über die Verhaftung bin ich sehr erleichtert, sowohl als Bürger wie auch als Erster Staatsanwalt», sagte Peter Sticher. Die grosse Anspannung der vorangegangen 48 intensiven Stunden sei endlich vorbei. Auch in der Bevölkerung sei die Erleichterung spürbar. Sticher und Landolt dankten den beteiligten Einsatzkräften und auch der Bevölkerung für ihr Verständnis und die Mithilfe.

«Über die Verhaftung bin ich sehr erleichtert, sowohl als Bürger wie auch als Erster Staatsanwalt.»

Peter Sticher, Erster Staatsanwalt des Kantons Schaffhausen

Von den Opfern befindet sich zur Zeit noch der schwer verletzte Mann im Spital, der dort auch operiert wurde. «Es geht ihm den Verhältnissen entsprechend gut», sagte Sticher.

Arbeit geht weiter

Die bei der Schaffhauser Polizei eingerichtete Sonderkommission wird vorläufig noch beibehalten. «Die Arbeit geht für uns noch weiter», sagte Landolt. Zunächst gelte es nun unter anderem, zahlreiche Berichte von anderen Polizeikorps der Schweiz auszuwerten. Zudem werden die Kontaktpersonen des Mannes eruiert – allfällige Verwandte, Berufskollegen und Freunde. «Dann müssen diese befragt werden», sagt Landolt.

Der Einsatzleiter war ebenfalls stark erleichtert – und stolz auf die Arbeit der Schaffhauser Polizei. «Es ist eine gute Leistung, dass wir den Mann nach seiner Flucht in so kurzer Zeit verhaften konnten», sagte er. Das Engagement der beteiligten Polizisten sei riesig gewesen.

Neuen Kommentar schreiben

Diese Funktion steht nur Abonnenten und registrierten Benutzern zur Verfügung.

Registrieren