Wo man vertraute Namen im Ausland findet

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Schaffhauser N…

Die Gemeindeseite expandiert. Wir haben uns auf der Weltkarte umgeschaut, wo unsere regionalen Gemeindenamen überall sonst noch zu entdecken sind. Wenig überraschend findet man die meisten Namensvettern im deutschsprachigen Raum. Doch einer der Namen schaffte es sogar bis über den Atlantik.

Um sich einen besseren Überblick über die verschiedenen Gemeinden zu verschaffen, kann links oben in der Ecke die Übersicht aufgeklappt werden. 

von Lia Pescatore 

Jede Gemeinde ist einzigartig, doch die Gemeindenamen sind es nicht. Von den 48 Gemeinden aus dem Einzugsgebiet der «Schaffhauser Nachrichten» findet man 18 davon andernorts auf der Weltkarte wieder. Insgesamt 400 Namensvettern hat unsere Recherche ergeben. Eine zu grosse Zahl, um alle auf einer Karte einzuzeichnen. Darum haben wir uns dafür entschieden, die Übersicht auf eigenständige Gemeinden und Städte zu beschränken. Somit fällt der grösste Teil der Namensvettern weg, da dieser aus kleineren Orts- und Stadtteilen besteht. Die meisten der Namensvettern findet man verständlicherweise im deutschsprachigen Raum. Eine Ballung gibt es im südlichen Teil von Deutschland. Auch in Frankreich liegen die drei zu findenden Vettern (Stetten, Rhinau und Schaffhouse-près-Seltz) an der deutschen Grenze.

Drei Thesen für einen Namen

Wie es zu dieser Verteilung kam, ist auf die Schnelle nicht zu beantworten. Denn die Herkunft der verschiedenen Namen ist zum Teil nicht genau überliefert, und konkrete Schlüsse sind darum schwer zu ziehen. «Man muss flexibel sein», sagt Eduard Joos, Mitglied der Schaffhauser Flurnamenkommission. Wie schwer die Herkunft eines Namens zum Teil festzumachen ist, erklärt er am Beispiel der Schaffhauser Gemeinde Lohn. «Es gibt drei verschiedene Erklärungsversuche für den Namen», sagt Joos. Der erste beziehe sich auf die damals nahe gelegenen Lehmgruben. Denn Lehm sei in der Region als «Looh» ausgesprochen worden. Der zweite nimmt Bezug auf die Rodungen, die für die Anfänge von Lohn von Bedeutung waren, also auf das Lohen des Feuers. Diese These sei sprachwissenschaftlich aber kaum haltbar. Am plausibelsten findet Joos die dritte These: «Verschiedene namhafte Sprachforscher kamen zur Erkenntnis, dass Lohn auf das althochdeutsche Wort ‹lôh› (niedriges Gehölz, Buschwerk) zurückgeht, was auch mit dem Bild zusammengeht, welches sich zu Beginn der Ansiedlung bot.» Doch warum ist die dritte These wahrscheinlicher als die erste? «Wenn man sich genauer mit dem Lohner Dialekt befasst, stellt man fest, dass die Lohner anders als die angrenzende Region den Lehm nicht als ‹Looh›, sondern als ‹Lätt› bezeichneten», sagt Joos. Diese Erkenntnis sei eben nur möglich, wenn man regional verankert sei.

Lohn ist der einzige Gemeindename aus der Region, der es bis Amerika geschafft hat. Zuzuschreiben ist dies aber nicht der Schaffhauser Gemeinde Lohn, sondern laut Wikipedia einem gewissen William F. Lohn, der 1879 in Texas eine Siedlung gründete

Gleiche Herkunft trotz verschiedener Schreibweise

Die Gemeinden mit den meisten Namensvettern sind Buch (11-mal) und Stetten (8-mal). Warum sind genau diese Namen so häufig? Der Sprachwissenschaftler Peter Gallmann von der Friedrich-Schiller-Universität in Jena erklärt sich dies dadurch, dass es sich bei beiden um sogenannte Gattungsnamen handelt (wie z. B. Haus, Tier). Buch stammt vom mittelhochdeutschen Wort «buoche» (Buche, Wald) ab. Stetten entwickelte sich aus dem althochdeutschen Wort «stat» und bedeutet so viel wie «bei den Wohnhäusern». Als Gattungsnamen sind sie im deutschsprachigen Raum weiter verbreitet als andere und werden darum auch einheitlich geschrieben.

Bei anderen Gemeinden gibt es unterschiedliche Schreibweisen. So existieren im Ausland Beringen (B, LUX), Behringen (D) und Beringe (NL). Auch wenn sie unterschiedlich geschrieben sind, geht Gallmann trotzdem von einem gleichen Ursprung aus. «Der Name setzt sich aus einem häufigen Familiennamen und dem Suffix -ingen zusammen, der für «bei den Leuten von» steht (siehe dazu auch Tabelle rechts). Speziell an den insgesamt sieben Beringen (fünf davon sind nicht eigenständig) ist ihre gut gepflegte Partnerschaft untereinander (Interview rechts). Doch noch spezieller ist die Verbindung des belgische Beringen und des holländischen Beringen, denn sie teilen neben dem Gemeindenamen auch den Provinznamen Limburg. Sie verbindet also nicht nur eine, sondern eine doppelte Namensvetternschaft.

Um sich einen besseren Überblick über die verschiedenen Gemeinden zu verschaffen, kann links oben in der Ecke die Übersicht aufgeklappt werden.  

 

5xber

Den gleichen Namen zu tragen verbindet. Ein gutes Beispiel dafür ist die Vereinigung «5× Beringen international», deren sieben Gemeinden aus fünf verschiedenen Ländern angehören. Es sind dabei drei Schreibweisen vertreten: Beringen, Behringen und Beringe. Vor rund 60 Jahren legte ein Treffen unter fünf der Gemeinden den Grundstein. Später kamen auch die zwei deutschen Behringen dazu, die zuvor der DDR angehörten und darum nicht beitreten konnten. Heute verbindet die Gemeinden eine sowohl freundschaftlich als auch politisch gepflegte Partnerschaft. Die Hintergründe schildert der Beringer Gemeindepräsident Hansruedi Schuler im Interview.

Herr Schuler, in der Vereinigung «5× Beringen international» sind fünf verschiedene Länder vertreten. Bestehen grosse Unterschiede unter den Gemeinden?

Hansruedi Schuler: Grosse Unterschiede gibt es bei den Grössen der Gemeinden. Das belgische Beringen hat über 45 000 Einwohner, in der deutschen Gemeinde Beringen an der Wipfra sind es nur 250. Aus den unterschiedlichen Situationen resultieren auch ganz unterschiedliche Problemstellungen. Dies ist aber für alle gemeinsam sehr bereichernd.

Wie hat sich die Vereinigung über die Jahre weiterentwickelt?

Schuler: Die Vereinigung bestand die ersten vierzig Jahre vor allem auf persönlicher Ebene und wurde von Vereinen getragen. Erst 2010 wurde aufgegleist, dass die Partnerschaft nicht nur freundschaftlich, sondern auch politisch gepflegt werden soll. Im Jahre 2014 kam es folglich zum Vertrag, den die politischen Repräsentanten der sieben Beringer Gemeinden in der Lüneburger Heide unterzeichnet haben.

Was konnte auf politischer Ebene in den ersten drei Jahren schon erreicht werden?

Es wurden schon zwei Projekte lanciert. Das erste Projekt mit dem Titel Save befasst sich mit der Förderung der Nachhaltigkeit unter Einbezug der Bevölkerung. Mit Musterprojekten wurde aufgezeigt, wie das Thema angegangen werden könnte. Das neuste Projekt Best beschäftigt sich mit nachhaltigem Tourismus. Der resultierende Tourismusführer wurde am diesjährigen Treffen im Mai in Luxemburg vorgestellt.

Wurden beim letzten Treffen schon neue Projekte geplant?

Da das letzte Projekt erst gerade abgeschlossen wurde, ist das nächste noch nicht in Planung. Nächsten Frühling werden aber sicher neue Ideen dafür gesammelt.

Partnerschaften unter gleichnamigen Gemeinden sind eher selten. Was braucht es, dass eine solche Vereinigung funktioniert?

Eine funktionierende Verbindung kann nicht von einem auf den anderen Tag entstehen, sie muss wachsen. Die Herausforderung ist, dass es an jedem beteiligten Ort eine Gruppe von Leuten benötigt, die diese Idee vorantreiben. Auch in Beringen weiss wahrscheinlich ein Teil der Bevölkerung nicht, dass es diese Vereinigung gibt. Doch ein grösserer Teil unterstützt eben den Verein und trägt damit die Idee weiter. Eine Partnerschaft, die nur auf dem Papier existiert, bringt nichts.

Jedes Jahr treffen sich die Gemeinden zu einem Toptreffen. Wie sieht das Programm eines solchen Treffens denn genau aus?

Eine Delegation, bestehend aus Personen aus politischen Gremien, Mitglieder der Vereine und einzelnen anderen Interessierten, trifft sich jeweils im Mai in einer der Gemeinden. Während sich die Vereinsfunktionäre und die Politiker zu ihren Sitzungen treffen, um die gemeinsamen Themen zu besprechen, gibt es ein parallel verlaufendes Rahmenprogramm für die anderen Teilnehmer. Das gemütliche Beisammensitzen am Abend bildet einen wichtigen Bestandteil der Treffen.

Interview Lia Pescatore

 

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