Jetzt wird aus dem Loch im Berg ein Tunnel

Autor
Mark Liebenberg

Die Mineure haben die Baustelle im Galgenbuck geräumt – jetzt folgt bis 2018 der Innenausbau des Strassentunnels. Das bringt neue Herausforderungen mit sich. Dennoch liege man im Plan, sagt das Bundesamt für Strassen.

Blick durch eines der fünf fahrbaren Baugerüste, mit denen die Tunnelwände abgedichtet, armiert und betoniert werden. Hintereinander schieben sich die Gerüste in den nächsten zwei Jahren von der Engi her durch den Galgenbucktunnel und stellen den Rohbau fertig. Bild: zvg/Bundesamt für Strassen

Eine neue Etappe im Bau des Galgenbucktunnels läuft bereits seit einigen Wochen auf Hochtouren: Die Erstellung des Rohbaus des Strassentunnels wird nun die nächsten rund zwei Jahre in Anspruch nehmen, wie Gesamtprojektleiter Andreas Weidinger gestern bei einem Ortstermin sagte. Aus dem Loch im Berg wird jetzt ein Tunnel.

Zum Einsatz kommt dabei Beton, und zwar richtig viel Beton. Pro Zehnmeterabschnitt werden gegen 200 Kubikmeter der grauen Masse verbaut. Das fast kreisrunde Gewölbe wird rundum abgedichtet. Von der Engi her schieben sich hintereinander fünf schwere, bergwärts auf Schienen verschiebbare Stahlgerüste in den Tunnel, von denen aus der Innenausbau geschieht. Zuerst wird das Fundament unter der zukünftigen Fahrbahn gegossen und später mit einem Stollen versehen, in dem Werkleitungen zu liegen kommen und der auch zur Flucht in Notfällen dient.

Ein Tatzelwurm mit Röhrenblick

Eigens für den Galgenbuck gebaute Ungetüme sind es, eine Kreuzung aus Betonspritzmaschine und Baugerüst, die sich Meter um Meter wie ein Tatzelwurm durch die Tunnelröhre fortbewegen. Fünf davon stehen aktuell im Dienst. Das vorderste Gerüst dichtet die Röhrenwand mit Spezialfolie ab. «Wir sind nahe beim Grundwasser», hält Weidinger dazu fest. Das zweite legt das Betonfundament an der Tunnelsohle, ein weiteres betoniert das Deckengewölbe zu, das nächste stärkt die Tunnel­innenwand mit Armierungseisen – dort, wo die Geologie herausfordernd ist. Und das hinterste wird eine Zwischendecke einbauen, die als Lüftungskanal dient.

Fünf Jahre sind seit Baubeginn verstrichen – und drei Jahre dauert es noch bis zur Eröffnung des knapp 1,2 Kilometer langen Tunnels für den Strassenverkehr. Die lang erscheinende Dauer von voraussichtlich zwei Jahren für diese Bauetappe erklärt Weidinger mit spezifischen Begebenheiten: «Anders als bei einem Basistunnel ist der Galgenbuch gekrümmt und hat eine vierprozentige Neigung im Berg. Zudem ist er beim Anschluss Bahntal dreispurig, also breiter.» Dennoch laufe zurzeit alles wie geplant, sagt der Gesamtverantwortliche beim Bundesamt für Strassen. «Der Zeitplan des Gesamtprojekts ist bisher eingehalten worden. Ausserdem rechnen wir damit, den Kostenvoranschlag sogar zu unterschreiten», so Weidinger. Bisher sei man von Gesamtkosten von 240 Millionen Franken aus gegangen.

Das Bauprogramm für die kommenden zwei Jahre im Tunnel ist also gesetzt. Die letzte Phase, die Ausrüstung des Tunnels mit Beleuchtung, Lüftung, Elektronik und Strassenbelag, ist für das Jahr 2019 vorgesehen.

Arbeiter mit gebrochenem Arm

Bei den beiden Tunnelportalen passiert in den kommenden beiden Jahren aber auch einiges. So wird beim Tunnelausgang Engi die Lüftungs- und Elektrozentrale gebaut. Nach wie vor werden die Bauarbeiten im Tunnel von dieser Seite aus versorgt – denn im Bahntal wird schon bald mit dem insgesamt neunspurigen Ausbau begonnen. Bereits kommende Woche wird die Fahrspur von Schaffhausen nach Neuhausen nach hinten zum Damm verlegt, damit es mit dem Ausbau des Tunneleingangs vorwärtsgehen kann.

Der schwerste Unfall seit Bau­beginn hatte sich Anfang des Monats offenbar bei der im Bau befindlichen Lüftungszentrale ereignet: Ein 62-jähriger Arbeiter war vier Meter in die Tiefe gestürzt. «Er hat sich den Arm gebrochen. Wir sind froh, dass er das Spital bereits wieder verlassen konnte», sagt Weidinger. Ein unglückliche Verkettung von Ursachen habe zum Sturz geführt. Zusätzliche Sicherheitsmassnahmen seien derzeit nicht nötig, die Baustelle unterliege strengen Kontrollen.

Mit dem Ende des Tunnelvortriebs hat auch ein Schichtwechsel im Projekt stattgefunden. Für den Innenausbau sind rund 65 neue Fachkräfte in den Tunnel geholt worden. Insgesamt arbeiten jetzt knapp 100 Arbeiter daran.

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