«Ich werde mit zwei lachenden Augen in Pension gehen»

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Tito Valchera

Seinen Beruf hat Max Scherrer stets gern gemacht. Er war 50 Jahre als Kaminfeger, Glücksbringer, aber auch als Retter unterwegs.

Den Hut hat Max Scherrer nur für das Foto aufgesetzt. Die Bürste braucht er aber zum Arbeiten. Bild: Tito Valchera

Beim Kaminfeger kommt einem das Bild des russgeschwärzten Mannes in den Sinn, der die verstopften Kaminrohre reinigt. Max Scherrer ist ein solcher Kaminfegermeister. Er trägt einen schwarzen Kaminfegeranzug mit goldigen Knöpfen, doch geschwärzt ist sein Gesicht nicht. «Am liebsten entferne ich den Russ aus den Kaminrohren», sagt er. Scherrer hat die letzten dreissig Jahre in seinem Bezirk in Feuerthalen als Kaminfeger gearbeitet. Nach der Kaminfegerlehre im Jahre 1968 hat er gleich zu arbeiten begonnen und ist auf diesem Beruf geblieben.

Körperlich anstrengend

Doch nach fast 50 Jahren ist Ende Jahr Schluss. Er geht in Pension. «Ich werde mit zwei lachenden Augen in Pension gehen», sagt er. Der Beruf sei körperlich anstrengend und anspruchsvoll. Oft knie man oder sei auf Dächern unterwegs. Auch der Russ macht ihm zu schaffen. «Zum Glück habe ich keine gesundheitlichen Pro­bleme», sagt er. Doch man müsse sich sehr gut mit Masken und Hand- schuhen vor dem Staub schützen. «Ich trage immer Handschuhe, so sind die Hände nicht schwarz», sagt er. Und mit einer normalen Reinigungspaste sei der Russ schnell entfernt.

Heutzutage müssen Kaminfeger aber neben Kaminen auch vermehrt Heizungskessel reinigen und Heizungen warten. «Der Beruf ist viel technischer geworden», sagt Scherrer. Da könne man nur mit ständiger Weiterbildung mithalten – das sei nicht immer einfach. Für den schwer zu findenden Nachwuchs werden andere Geschäftsbereiche wie der Umweltschutz oder die Energieberatung hinzukommen.

Auf Abschiedstournee

Ende Dezember hängt er seinen Besen an den Nagel. Die letzten paar Wochen sind so eine Art Abschiedstournee, die er geniessen möchte. «Nein, ich fühle noch keine Wehmut, aber vielleicht kommt das ja noch», sagt Scherrer. Er blickt bereits nach vorn. «Als Pensionierter werde ich mehr Zeit haben, um Appenzeller Hackbrett zu spielen.» Die Musik ist ihm wichtig, aber auch mehr zu reisen, ist geplant. Die Erinnerungen und Begegnungen aus seinem Arbeitsleben werden ihn dabei begleiten –gute wie weniger gute. «Einmal klang aus einem Kamin ein Miauen – und tatsächlich habe ich durch die Cheminéeklappe eine schwarze Katze befreit.» Ein anderes Mal hingegen hat ein Deutscher Schäferhund ihn gehindert, das Haus zu verlassen: «Bei jedem Versuch von mir knurrte der Hund.»

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