«Eine Plattform für die ganze Region»

Publiziert am
Autor
Pascal Schmidlin

Die neue SN-Website ist mehr als nur eine Kopie der Printinhalte. Chefredaktor Robin Blanck und Philipp Honegger, Projektleiter der neuen Plattform, erklären Ziele und Möglichkeiten des neuen Internetauftritts.

SN-Chefredaktor Robin Blanck (l.) und Philipp Honegger, Projektleiter «shn.ch», präsentieren die neue Website der «Schaffhauser Nachrichten», auf der in Zukunft alle Inhalte des Medienhauses Meier zusammengeführt werden. Bild: Selwyn Hoffmann

Seit gestern Dienstag ist der neue Webauftritt der «Schaffhauser Nachrichten» online. Was hat sich alles geändert?

Robin Blanck: Zum einen natürlich das Design. Die Website kommt in einem völlig neuen Gewand daher. Daneben ist «shn.ch» nun auch multimedialer. Alle Inhalte, die im Hause Meier produziert werden – also auch diejenigen von Radio Munot und dem Schaffhauser Fernsehen (SHf) –, werden neu auf der SN-Website zusammengeführt. Es gibt also neben klassischen Artikeln nun auch Radio- und Fernsehbeiträge, welche sich gegenseitig ergänzen.

Verschwinden jetzt die Webauftritte der anderen Medien wie Radio oder Fernsehen?

Blanck: Nein, diese bleiben weiter bestehen. Aber das umfassende multimediale Angebot wird es nur auf «shn.ch» geben.

Heisst das, die Redaktionen werden auch in Zukunft unabhängig voneinander bleiben?

Blanck: Ja, die Redaktionen bleiben so bestehen, wie sie heute aufgestellt sind. Sprich: Sowohl Radio Munot als auch das SHf und die SN werden weiterhin über eine eigenständige Redaktion verfügen.

Es werden also auch keine Stellen abgebaut?

Blanck: Nein, die Redaktionen bleiben personell unverändert. Wir schaffen sogar noch Arbeitsplätze für das neue Portal.

Die Medienbranche ächzt. Zeitungsverlage verlieren an Lesern, der Markt ist umkämpft. Weshalb investiert denn die Meier + Cie AG Schaffhausen gerade jetzt in den Inhalt?

Blanck: Das Interesse der Menschen an Informationen steigt, dem wollen wir mit dem neuen Angebot Rechnung tragen. Wir sind überzeugt, dass es eine Verlängerung der Printinhalte in das Internet braucht. Wir sehen, dass sich die Nutzungsgewohnheiten der Menschen verändert haben. Als multimedial aufgestelltes Unternehmen haben wir nun einen Ort geschaffen, an dem wir alle unsere Inhalte zusammenführen können – und das im Dienste der Leserinnen und Leser.

Inwiefern profitieren diese davon?

Blanck: Die Berichterstattung wird künftig breiter werden: Neben dem Newsbeitrag werden die Betroffenen beispielsweise in einem Audio- oder Videobeitrag zu Wort kommen – wir nutzen die Kanäle, die wir heute schon bedienen, einfach konsequenter. «shn.ch» wird so zur führenden News- und Serviceplattform der Region.

Weshalb wird das nun unter der Marke «Schaffhauser Nachrichten» zusammen- gefasst und nicht etwa unter einer neuen Marke? Meier Online zum Beispiel.

Blanck: Das haben wir im Vorfeld diskutiert und sind zum Schluss gekommen, dass die «Schaffhauser Nachrichten» als stärkste und bekannteste Marke weiterhin im Zentrum stehen sollen. Die über 150-jährige Tradition der SN steht für Qualität und ist bestens in der Region verankert. Es wäre aus dieser Sicht auch nicht zielführend, eine neue Marke unter neuem Namen aufzubauen, zumal die Inhalte der SN auch weiterhin den Kern des Portals ausmachen.

Und wer ist für die Betreuung der neuen Plattform zuständig?

Philipp Honegger: Das liegt in den Händen des sogenannten Onlineproduktionspools (OPP). Dieser besteht aus vier jungen, motivierten Personen, die sich insgesamt 360 Stellenprozente teilen.

Also verfügen die SN nun über eine Onlineredaktion, wie das bei anderen, grösseren Medienunternehmen schon länger der Fall ist?

Honegger: Der OPP ist zu einem grossen Teil eine produzierende Instanz. Deshalb sprechen wir bewusst nicht von einer Onlineredaktion.

Was sind denn die Kernaufgaben des Produktionsteams?

Blanck: Zum einen bereitet es die Inhalte der Zeitung für das Internet auf. Zum anderen wird es aber auch eigene Beiträge produzieren. Zu den Kernaufgaben gehört somit auch die Produktion von Inhalten, die über das hinausgehen, was in der Printredaktion produziert wird.

Welcher Art werden denn diese Beiträge sein?

Honegger: Es geht auch darum, eine breite Palette von Inhalten zu produzieren, um die Leute zu unterhalten. Darum werden wir auch Inhalte erstellen, die im Print der SN bisher keinen Platz gefunden haben: Das sind zum Beispiel Vorher-nachher-Ansichten von Schaffhausen, Videobeiträge, zusätzliche Bildergalerien zu Anlässen oder auch Listicles – also kurze Artikel in Listenform. Diese Inhalte sind dann aber ausschliesslich im Netz für den Nutzer zugänglich.

Es wird also auch Inhalte geben, die der SN-Leser so nicht kennt?

Blanck: Ja. Das wird aber nur einen kleinen Teil des neuen Portals ausmachen. Der Hauptteil der Seite sind News- und Hintergrundbeiträge. Also das, was unsere Redaktionen mit ihren Fachleuten produzieren. Man darf aber nicht vergessen: Ein Zeitungleser hat online andere Bedürfnisse und Ansprüche, dazu gehören auch leichtere Inhalte. Aber diese sollen nicht reisserisch-niveaulos daherkommen, sondern sich an unseren Qualitätsmassstäben orientieren.

Honegger: Auf «shn.ch» werden wir auch das eine oder andere ausprobieren und so herausfinden, was der Nutzer möchte – und darauf auch reagieren. Der Onlinebereich eignet sich dafür hervorragend.

Wird mit dem neuen Portal auch die SN-App überarbeitet? Wird man künftig News-Updates via Push- Meldungen auf dem Smartphone erhalten?

Honegger: Für den Moment bleibt unsere SN-App wie bisher bestehen. Aber sie wird sich in den nächsten Wochen und Monaten weiterentwickeln. Das ist ein laufender Prozess. Man kann davon ausgehen, dass es in Zukunft auch Push-Meldungen über die SN-App geben wird.

Verschieben sich nun die Prioritäten der SN in Richtung Internet?

Blanck: Nein, unser Kerngeschäft ist und bleibt unsere Zeitung. Aber die Onlineinhalte sind eine Ergänzung dazu.

Und werden diese auch weiterhin kostenpflichtig bleiben?

Honegger: Wir schaffen neue Gefässe, die in Zukunft konsequent vor die Bezahlschranke gestellt werden und für alle frei zugänglich sind, auch bei den News werden wir die Kostenpflicht etwas lockern und bestimmte Inhalte zugänglich machen. Aber wir werden nicht beginnen, zentrale Inhalte zu verschenken. Klar ist: Für Abonnenten werden auch in Zukunft alle Inhalte frei zugänglich sein.

Wo wird in Zukunft die wichtigste Geschichte publiziert? Im Netz oder im Print?

Blanck: Es ist eine Verbindung von beiden Welten. Das Internet eignet sich gut, um schnell viele Leute zu erreichen: Wenn beispielsweise die Altstadt in Flammen steht, gilt die Devise «online first». Die Aufarbeitung des Ereignisses und die Hintergründe finden dann aber im Print statt.

Honegger: Es gibt auch einen essenziellen Unterschied: Bei «online first» denken viele an Gratisinhalte. Und das kann nicht der Sinn sein bei guten, selbst recherchierten Geschichten.

Kann sich in Zukunft der Besucher des Portals auch einbringen?

Blanck: Man kann auf dem Portal über die Kommentarfunktion mitdiskutieren – genauso wie auch auf unseren Kanälen auf sozialen Medien wie Facebook, Twitter und Instagram. Und es wird in Zukunft auch Inhalte geben, die auf eine Mitwirkung des Users abzielen. Von dieser Warte aus soll «shn.ch» eine Plattform für die ganze Region sein.

Lohnt sich denn der Aufwand für ein solches Onlineportal?

Blanck: Bei uns ist der Onlinebereich Teil einer gemischten Strategie: Dieser Bereich muss wirtschaftlich arbeiten und Erträge erzielen, gleichzeitig soll er aber auch unseren Abonnenten einen multimedialen Mehrwert zur Printausgabe bieten und als Einstiegsangebot mithelfen, neue Kundinnen und Kunden für unsere Inhalte zu gewinnen – Kunden, die aufgrund des Angebots bereit sind, ein Abo zu lösen, sei es für den Print- oder auch für den Onlinekanal.

 

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