Lernen

Autor
Robin Blanck

Als das Schaffhauser Parlament am Montag die Vorlage «Volksschule aus ­einer Hand» mit 50 zu 1 Stimmen ablehnte, war das mehr als eine gewöhnliche Abstimmung: Es war eine Demontage.

Robin Blanck

Als das Schaffhauser Parlament am Montag die Vorlage «Volksschule aus ­einer Hand» mit 50 zu 1 Stimmen ablehnte, war das mehr als eine gewöhnliche Abstimmung: Es war eine Demontage. In den vergangenen Jahren suchten die Verantwortlichen – vorab die Regierung – nach einem mehrheitsfähigen schulpolitischen Kurs für den Kanton; nach dem letzten Montag ist klar, dass das bisher nicht gelungen ist. Bildungs­direktor Christian Amsler reagierte auf die Ablehnung von «Schule aus einer Hand» am Montag mit der Aussage, dass im «Kanton offenbar ein wenig der Mut fehlt». Es waren die Worte eines mehrfach Enttäuschten.

Licht und viel Schatten bei ­den ­Urnengängen

Denn es war nicht die erste Ernüchterung, die Amsler erleben musste. Seit er 2010 die Bildung übernommen hatte, kam knapp ein halbes Dutzend Bildungsvorlagen zur Abstimmung: 2010 setzte sich die Regierung gegen die In­itiative «Schaffhausen ohne HarmoS» knapp durch. Im März 2012 fehlte dann aber die Unterstützung des Volkes: Die zwangsweise Einführung von Schulleitungen in allen Gemeinden scheiterte an der Urne. Der Versuch, Kosten einzusparen, indem man für Freifächer an der Kanti einen Elternbeitrag erhebt, wurde im Juli 2016 knapp abgelehnt, ­dafür hatte die Regierung das Volk im November 2016 auf ihrer Seite, als es dar­um ging, die Einführung des Lehrplans 21 einer Volksabstimmung zu unterstellen. Ein weiterer Rückschlag für Amsler war der Beschluss des Kantonsrats im Juli, dass der Erziehungs­direktor künftig nur noch als Mitglied im Erziehungsrat mittun darf, und nicht unerwähnt seien auch der Zickzackkurs bei der Festlegung der Anzahl Lektionen und die verärgerten Kindergärtnerinnen, die ihre Entlastung mit dem weggelegten Rüstmesser einfordern. Die Schaffung des Bildungszentrums Geissberg scheiterte am Veto des Kantonsrates, jüngst wurde Amsler nun sogar im Abstimmungskampf um die Kinderbetreuungs-Initiative als Lügner diffamiert.

Ein Erziehungsdirektor mit Leidenschaft für die Aufgabe

Haben jene recht, die Amsler nun zum Sündenbock machen? Das greift zu kurz.

Die Menschen wollen nicht, dass alle Entscheide im fernen Erziehungs­departement gefällt werden.

Amsler steht seit sieben Jahren dem anspruchsvollen Bildungsdepartement vor, kaum einer seiner Vorgänger hat es dort derart lange ausgehalten. Der ausgebildete Primarlehrer Amsler ist der Bildung seit jeher zugetan, und auch seine schärfsten Kritiker werden nicht ernsthaft behaupten, sein Engagement sei für ihn keine Herzensangelegenheit. Das wird auch daran erkennbar, dass Amsler in seiner Amtszeit eigene Impulse setzen wollte, dabei aber – auch das hat die Aufstellung gezeigt – nicht immer erfolgreich war. Ausser Acht lassen darf man dabei nicht, dass Diskussionen um die Schule in den letzten Jahren deutlich an Härte zugelegt haben: Einerseits steigen die Anforderungen an die Schule, die mit als fortschrittlich apostrophierten Ideen überflutet wird, andererseits regt sich der Widerstand konservativer Kreise, die jede Veränderung bekämpfen. Die Gemengelage ist also anspruchsvoll.

Vorsicht beim Sparen und vor allem kein Zwang von oben

Versucht man eine Bilanz zur Bildungspolitik der Ära Amsler zu ziehen, gibt es zwei Erkenntnisse: Wenn bei der Bildung gespart werden soll, muss das mit Bedacht geschehen. Das ist keine Absage an Optimierungen, aber eine Ermahnung zum vorsichtigen Einsatz des Rotstifts. Denn noch wichtiger als Effizienz in der Bildung – die zweite Erkenntnis – ist den Menschen, dass die Schule ihrer Aufgabe, der Ausbildung unserer Kinder, nachkommen kann. Zugleich betrachten die Bürger die Schule als zentrales Element der Gemeinde­autonomie und lehnen Eingriffe von oben – etwa befohlene Zusammenschlüsse, zwangsweise Schulleitungen oder andere gegen die föderalistische Ordnung und die Mitsprache gerichtete Bestrebungen – entschieden ab. Die Menschen wollen nicht, dass alle Entscheide im fernen Erziehungsdepartement oder im Bildungszentrum gefällt werden, sondern wollen selber mitreden und mitentscheiden können.

Mag sein, dass Amsler recht hat, wenn er in der Bildungspolitik fehlenden Mut ausmacht. Aber darum geht es bei der Schule nicht, sondern es geht ums Lernen: Es wäre ein Zeichen von Lernfähigkeit, wenn die Regierung die Erkenntnisse der letzten Jahre bei der Gestaltung der Schulpolitik beherzigen würde. Das würde ihr das trial and ­error, das mühsame Lernen aus Fehlschlägen, ersparen.

 

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