Nun ist Widerstand gefordert

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Schaffhauser N…

Zu «Post: Abbau auf dem Land und in den Stadtquartieren», SN 31. 3.

Unglaublich: Sogar die Hauptpost in Schaffhausen und die Post im wachsenden Beringen sollen gemäss den Plänen der Post nur bis 2020 garantiert sein. Auch bei dieser Frage geht es nicht allein um jene Benützer der Post, zum Beispiel Alte, oder andere, oft minderheitliche Gruppen in der Bevölkerung, die nicht per E-Mail und online kommunizieren.

Es geht grundsätzlich um viel mehr: Um jenes Rationalitätsdenken, das als «rationell» (günstiges Verhältnis von Aufwand und Ertrag) nur das meint, was kurzfristig relativ viel materiell-finanziellen Ertrag bringt. Aber «rationell» kommt von «Ratio» (Verstand, Vernunft – in welch letzterem Begriff «vernehmen» enthalten ist). Das heisst, in einen fundamentalen Begriff von ­«rationell» müssten auch die psychologischen und sozialen Faktoren eingehen. Das Argument, diese Entwicklung sei halt die neueste, modernste und deshalb unaufhaltbar, ist im Grunde schwach; denn es handelt sich dabei nicht um eine Naturkatastrophe. Und man muss differenzieren: In welcher Form, wo und wann sind die neuen, hochtechnischen «Tools» sinnvolle, menschen- und naturgerechte Werkzeuge und wo nicht? Befürworten kann eine ­Rationalisierung von der Art des ­jetzigen Poststellenabbaus nur, wer immer noch an das Märchen glaubt, die verloren gehenden sinnvollen Arbeitsplätze würden bei der jetzigen Entwicklung durch neue, andersartige, ebenfalls sinnvolle Arbeitsplätze ersetzt. Das funktionierte seit dem 19. Jahrhundert bis zu den Grenzen des Wachstums, welche aber schon gegenwärtig überschritten sind! Heute funktioniert das aus ökologischen Gründen nicht mehr.

Allen kritisch Denkenden empfehle ich, sich an «ihren» Parlamentarier oder «ihre» Parlamentarierin in Gemeinde, Kanton und Bund zu wenden und sie aufzufordern, Opposition zu machen. Und schliesslich empfehle ich das Werk des renommierten deutschen Soziologen ­Harald Welzer zur Lektüre: «Die smarte Diktatur – Der Angriff auf unsere Freiheit».

JAKOB MÜLLER
Beringen

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